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Anglistik

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Bachelor of Arts (B.A.)

Julia Müller

1. Können Sie sich noch an Ihre ersten Studientage erinnern – wie war Ihr erster Eindruck von der Universität Leipzig?

Ich kam nach der Zwischenprüfung in Germanistik / Anglistik in Freiburg zum Hauptstudium nach Leipzig. Meine prägenden Erinnerungen haben allerdings weniger mit der Universität an sich, als mit der Stadt Leipzig zu tun, die damals – 1995 – völliges und aufregendes Neuland für mich als Süddeutsche war. Und dann die rasante Entwicklung in den folgenden Jahren, die mir nach der Rückkehr aus einem Erasmus-Jahr in Irland besonders ins Auge fiel!

2. Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie Ihr Studium kurz beschreiben?

Einerseits verwirrend, weil es damals diverse Studienordnungen aus Nachwendezeiten gab und erst einmal geklärt werden musste, welche für mich als Studienortwechslerin überhaupt galt. Vor allem aber habe ich die enorme Freiheit genossen, mit der man als Geisteswissenschaftlerin damals sein Studium strukturieren konnte. Ob das in den heutigen Bachelor-Studiengängen immer noch so ist, weiß ich nicht.

3. Haben Sie jemals an Ihrer Studienwahl gezweifelt? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Gegen Ende meines Studiums hätte ich mir gewünscht, dass ich mich inhaltlich auf etwas breitere Beine gestellt hätte. Anstatt zwei literaturwissenschaftliche Hauptfächer zu kombinieren, wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, zumindest ein Nebenfach aus einem nicht-geisteswissenschaftlichen Bereich zu wählen und so auf dem Arbeitsmarkt eine größere Qualifikationsbasis vorweisen zu können. Bei mir haben diese Überlegungen allerdings zu spät eingesetzt, um noch umzusatteln. Ich habe dann später nachgelegt und berufsbegleitend an einer britischen Universität ein Postgraduate Certificate of Business Administration erworben.

4. Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Ich hatte nach dem Abitur – wie vermutlich die meisten – noch keinen wirklichen Überblick über den Arbeitsmarkt und seine vielen Nischen und Möglichkeiten. Insofern habe ich schlicht das studiert, was mir Spaß gemacht hat und worin ich gut war – in der Vermutung, dass ein späterer Beruf sich dann ebenfalls in diesem Bereich finden würde. Nebenbei habe ich ganz bewußt auf Praktika und studienbegleitende Jobs gesetzt, um mich weiter zu orientieren, und bin pünktlich gegen Ende meines Studiums auf die Öffentlichkeitsarbeit gestoßen. Ich bin damit gut gefahren – mir ist aber klar, dass dabei viel Glück im Spiel war und diese Strategie nicht unbedingt ein Patentrezept ist!

5. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?

Praktika und Nebenjobs waren wie gesagt ganz wichtig, um mich beruflich zu orientieren. Nach dem Studium folgte für mich ein Volontariat in einer PR-Agentur, bei der ich vor allem Kunden der öffentlichen Hand betreute und bei der ich auch nach dem Volontariat noch knapp zwei Jahre blieb, bis ich in die Öffentlichkeitsarbeit der Britischen Botschaft gewechselt habe.

6. Wie sehr hat Ihr Studium Ihre jetzige berufliche Tätigkeit geprägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer Tätigkeit? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Inhaltlich gibt es natürlich hin und wieder Überlappungen, gerade im kulturellen Bereich. Aber vor allem benötige ich in meiner Arbeit die Kompetenzen, die ich mir im Studium quasi nebenbei anggeignet habe: Mich selbständig und flott in neue Themen einzuarbeiten, meine Arbeit sinnvoll zu strukturieren und zu priorisieren, und natürlich ein gekonnter und sorgfältiger Umgang mit Sprache und Texten.

7. Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer jetzigen Position aus?

Den gibt es quasi nicht, und gerade das macht meinen Job so reizvoll für mich. Ich decke eine große Bandbreite an inhaltlichen Themen und fachlichen Tools ab – von Events bis Pressearbeit, und die Zusammensetzung ändert sich ständig. Aber natürlich gibt es gewisse Konstanten – die Arbeit mit und an Texten und die Zusammenarbeit mit vielen, ganz unterschiedlichen Kooperationspartnern. Permanenter Zeitdruck und gleichzeitig der eigene Anspruch, trotzdem kreative Ideen zu entwickeln. Und das gute Gefühl, wenn diese erfolgreich umgesetzt werden!

8. Was sind die wichtigsten drei Kompetenzen in Ihrem Arbeitsalltag?

Die berühmten Soft Skills sind sehr wichtig – in der Kommunikation ist man Dienstleister, nimmt immer eine Mittlerposition ein und muss daher zwischen unterschiedlichen Stakeholdern und deren divergierenden Bedürfnissen verhandeln. Dazu kommt die fachliche Erfahrung mit unterschiedlichen PR-Maßnahmen, die ich in meinen bisherigen Berufsjahren angesammelt habe und mit deren Hilfe ich einzelne Projekte kompetent konzipieren und umsetzen kann. Sprachliche Kompetenz ist dabei ebenso unerlässlich für mich - die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte klar und zielgruppengerecht in meinen beiden Arbeitssprachen zu vermitteln.

9. Wie gelingt Ihrer Meinung nach ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche (Einstiegswege, Bewerbungstipps, etc.)?

Obwohl es inzwischen – wie auch in Leipzig – diverse Kommunkationsstudiengänge gibt, ist meine Erfahrung die, dass das Gros meiner KollegInnen in der Branche nach wie vor den Einstieg über Praktika und Volontariate findet. Praktische Erfahrung in relevanten Bereichen ist sicherlich immer ein großes Plus! Eine sprachlich gelungene und optisch klar gestaltete Bewerbung ist im Kommunikationsbereich ein ganz besonderes Muss – schließlich geht es dabei um nichts anderes als um PR in eigener Sache!

10. Was würden Sie den heutigen Studienanfänger/innen mit auf den Weg geben?

Um die eigenen Optionen und Präferenzen einschätzen zu können, ist der Blick über den Tellerrand unglaublich wichtig – und das so früh möglich! Nur durch Praktika oder Nebenjobs bekommt man konkrete Einblicke in mögliche Berufsfelder und kann abschätzen, was einem liegt und zu eigenen Vorstellungen und mittel- oder längerfristigen Lebensentwürfen passt. Sprachkenntnisse und Auslandserfahrungen sind ebenfalls enorm wichtig und lassen sich üblicherweise gut ins Studium einbauen.

Persönliche Angaben

  • Name, Vorname: Müller, Julia
  • Geburtsjahrgang: 1974
  • Studiengang: MA Germanistik / Anglistik
  • Jahr der Immatrikulation: 1993 zum Grundstudium in Freiburg, 1995 zum Hauptstudium in Leipzig
  • Jahr der Exmatrikulation: 1999
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: Britische Botschaft / Deputy Head of Public Relations


(Interview Stand Juni 2013)

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// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.