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Anglistik

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Bachelor of Arts (B.A.)

Nancy Schumann

1. Wieso haben Sie Leipzig als Studienort gewählt?

Der entscheidenste Faktor war der Journalistikstudiengang, der hier angeboten wird. Ich hatte darüber in der Zeitung gelesen und wusste damit plötzlich welches "andere" Fach ich studieren wollte. Mein Hauptfach, Anglistik, stand schon lange fest und damit wurde Leipzig zum Studienort erster Wahl für mich.

2. Wie würden Sie Ihr Studium kurz beschreiben?

Mit einem Wort: "leseintensiv". Insbesondere die Journalistik war auch sehr praxisnah. In allen Fächern gab es einen guten Mix aus historischem und zeitgenössischem Wissen und kompetente Lehrkräfte.

3. Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Studienwahl: Anglistik wollte ich von Anfang an studieren. Englisch war mein Lieblingsfach in der Schule und ich war auch schon immer eine Leseratte. Damit stand englische Literatur ganz oben auf meiner Liste. Was ich als zweites Fach dazu nehmen sollte wusste ich nicht bis ich in der Zeitung über den Journalistikstudiengang in Leipzig las. Mit Journalistik im Hauptfach hat es leider nicht geklappt. So hab ich mich kurzentschlossen für’s Nebenfach beworben und bin angenommen wurden. Damit hatte ich Anglistik Hauptfach, Journalistik Nebenfach und wollte eigentlich Mittlere und Neuere Geschichte als zweites Nebenfach nehmen. Die Entscheidung das gegen Germanistik zu tauschen hab ich in der Schlange zur Immatrikulation getroffen und nicht bereut.

Berufswahl: Während des Studiums ist mir bewusst geworden, dass mein Talent für’s Schreiben vielleicht weniger in den journalistischen als in den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gehört. Das genaue Arbeitsumfeld war mir relativ egal und ich bin recht zufällig bei der Medizin gelandet. Im Nachhinein aber ein Schritt, der sich gelohnt hat. Es mag nach einem komischen Schritt von Englischer Literatur und Wave Gotik Treffen zu medizinischer Forschung aussehen, aber die Arbeit ist auch hier "tue Gutes (bzw. achte darauf, dass das Projekt Team es tut) und erzähl allen davon".  Der Trick ist, glaube ich, die eigenen Fähigkeiten zu kennen and vielleicht welche Art von Arbeit man machen möchte, dann sind viele Einzelheiten eher unwichtig und ergeben sich so nach und nach.

4. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?

Eine wichtige Station war meine Nebentätigkeit als Pressesprecherin beim Wave Gotik Treffen in Leipzig während meines Studiums. Ich bin sehr zufällig an diese Arbeit gekommen und die Tätigkeit hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich danach gezielt nach Öffentlichkeitsarbeit gesucht habe.

Die nächste wichtige Station war eine Aushilfstelle bei der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer. Das war so der erste Fuß in der Tier was Öffentlichkeitsarbeit in Großbritannien angeht. Ich war da nur ein paar Monate (für ein bestimmtes Projekt), aber die Arbeit hat Spaß gemacht, die Leute waren sehr nett und mit dem Eintrag im Lebenslauf ging die Arbeitssuche auch etwas leichter.

Schließlich mein erster Job hier an der Barts and The London School of Medicine and Dentistry als Research PA. Ich bin noch immer dankbar für die Chance die mir hier gegeben wurde. Offenbar habe ich auch mit meinen Fähigkeiten überzeugt, denn nach ein paar anderen Jobs zwischendurch wurde ich direkt vom Centre Manager angesprochen als meine jetzige Stelle noch in der Planungsphase war.

5. Gab es Unsicherheiten bei der Berufswahl oder eine Phase der Orientierungslosigkeit? Wie haben Sie sie überwunden?

Es war nicht einfach eine Arbeitsstelle im Ausland zu finden, die tatsächlich meinen Fähigkeiten entsprach. Hier läuft die Arbeitsvermittlung viel über Agenturen. Diese neigen dazu ausländischen Bewerbern mehr Call Centre oder Telefonmarketing Stellen zu vermitteln, die deren Sprachkenntnisse fordern, aber sonstige Fähigkeiten außer Acht lassen.

Mir speziell wurde auch gesagt, dass ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit als non-native keine Chance hätte. All das war sehr frustrierend. Ich habe mich dabei für Angriff als beste Verteidigung entschieden und bin einfach sämtliche PR-Agenturen abgelaufen (sprichwörtlich) und hab mich persönlich mit meinem Lebenslauf vorgestellt. Es wäre leichter gewesen einfach eine der ungeeigneten Marketingjobs anzunehmen, aber ich war der Meinung wenn ich das erstmal mache, bleib ich eher da hängen und komm dann gar nicht mehr in den richtigen Bereich.

Ein weiterer wichtiger Schritt war herauszufinden welche Zeitung an welchem Tag die Stellenausschreibungen für meine Branche veröffentlicht. Ich hab dann für mehrere Wochen jeden Montag den Guardian gekauft und manchmal bis zu 40 Bewerbungen pro Woche verschickt (zum Glück geht das hier meist per E-Mail). Insgesamt hat das drei Monate gedauert und ich habe in diese Zeit oft an mir gezweifelt. Aber da hilft wirklich nur Kopf hoch und durch. Drei Monate nach Studienende habe ich dann eine Stelle an der Barts and The London School of Medicine and Dentistry bekommen und nie bereut, diese angenommen zu haben.

6. Worin besteht Ihre derzeitige berufliche Tätigkeit?

Die Pragmatic Clinical Trials Unit (PCTU) ist eine von etwa 40 registrierten clinical trials units in Großbritannien. Der Sinn dieser Teams ist es die Grundversorgung für medizinische Forschung zu stellen, das heißt Statistiker, Gesundheitsökonome, Datenfachleute und Qualitätskontrolleure ständig zu beschäftigen, damit diese an verschiedenen Projekten arbeiten können. Die einzelnen Forschungsprojekte müssen damit nicht jedes Mal wenn Gelder bewilligt werden neu rekrutieren. Meine Aufgabe als Administrator teilt sich zwischen Arbeit an verschiedenen Forschungsprojekten und der Büroorganisation des Teams zu etwa gleichen Teilen auf. Es geht also einfach los, wenn ich beispielsweise sicherstelle, dass genug Büromaterialien für meine Kollegen zum Arbeiten da sind. Ich bin der Ansprechpartner für Forscher, wenn sie ein neues Projekt erarbeiten und dafür mit unseren Spezialisten zusammenarbeiten wollen. Da gilt es zu etablieren ob das vorgeschlagene Projekt für uns von Interesse ist. Ist das der Fall, arrangiere ich ein Treffen mit dem Forscher und zusammen mit dem PCTU-Manager vereinbaren wir welche Arbeiten unser Team für dieses Projekt übernehmen soll, wieviel Zeit unsere Spezialisten daran verbringen können und natürlich was das für die Kosten des Projekts bedeutet.

All diese Details kommen in unsere Aktivitätendatei. Ich kümmere mich um unsere Aktivitätsdateien, die wir für unseren jährlichen Report zum National Institute for Health Research brauchen, um nachzuweisen wie viele Finanzierungsanträge wir unterstützt haben und wie viele Projekte finanziert worden sind.

Richtig interessant wird es wenn neue Forschungsprojekte losgehen. Dann gilt es dafür eine Website zu erstellen, diverse Bewilligungen einzuholen und die Arbeitsmaterialen zusammenzustellen, um dann Patienten, Praxen oder Apotheken zu rekrutieren und mit der eigentlichen Forschung anzufangen. Das ist entweder direkt meine Aufgabe oder ich bin als Hilfe für die verantwortliche Person ansprechbar.

7. Wenn Sie heute noch mal studieren würden, würden Sie noch mal das gleiche studieren?

Wahrscheinlich schon. Ich habe noch andere Interessengebiete, die ich ganz gerne studiert hätte, aber insgesamt war ich mit der Fächerkombination ganz glücklich. Eine ideale Kombination gibt es vermutlich gar nicht und ein wenig Selbststudium neben der Universitätsausbildung kann ja auch nicht schaden.

8. Was war Ihr Lieblingsplatz in Leipzig, um sich vom Studienalltag zu erholen?

Zuerst das Möwenpick Café und später Coffee Culture gegenüber dem Seminargebäude. Es gibt nichts besseres als ein heißes Getränk und einen Schwatz mit Freunden in der Wohlfühlatmosphäre eines netten Cafés.

9. Was verbindet Sie heute mit der Universität Leipzig?

Wir sehen uns wenigstens einmal im Jahr, wenn ich zum Wave Gotik Treffen in der Stadt bin. Mit ein paar Dozenten habe ich auch sporadisch noch Kontakt. Außerdem bekomme ich die "NÄHER dran" (Zeitschrift vom Leipziger Tourist Service) und die Alumni-E-Mails. Somit weiß ich immer Bescheid und verfolge gespannt die Entwicklungen an der Uni. Veranstaltungen kann ich leider nur selten besuchen, da es zu viel Aufwand ist, von London nach Leipzig zu fliegen.

10. Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?

Nicht wirklich. Das Studium hat sich durch diverse Zufälle so entwickelt und im Nachhinein haben sich einige dieser Zufälle als weise Entscheidungen entpuppt.

  • Geburtsjahrgang: 1977
  • Studiengang: Magister Anglistik, Journalistik, Germanistik
  • Jahr der Immatrikulation: 1998
  • Jahr der Exmatrikulation: 2004
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: Barts and The London School of Medicine and Dentistry, Pragmatic Clinical Trials Unit (PCTU), Administrator

 

(Interview Stand Juni 2013)

// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.