"Das Uni-Leben als Oldie" - Medizinstudentin Sylvin berichtet

Seit neuestem bin ich 27. Zum Zeitpunkt meiner Geburt gab es in Deutschland noch eine Mauer. Als die meisten meiner Kommilitonen geboren wurden, stand ich schon mit großer Zuckertüte und noch größerer Zahnlücke vor der Grundschule und grinste breit für’s Einschulungsfoto ...

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Das Unileben als „Oldie“ hat manchmal so seine Tücken. Es fing im 1. Semester an, als der Physik-Prof in der Vorlesung sagte: „Wie Sie ja alle wissen, ist die Beschleunigung die zeitliche Ableitung des Geschwindigkeitsvektors.“ Meine letzte Mathematik- und Physikstunde war zu diesem Zeitpunkt ganze 7 Jahre her und ich hatte keinen blassen Schimmer, von was da gesprochen wurde. Während all die jungen Frisch-Abiturienten um mich herum zustimmend nickten, googelte ich heimlich „Was ist eine Ableitung?“.

In Sachen Merkfähigkeit, Lerngeschwindigkeit und Grundlagenwissen sind mir meine jungen Kommilitonen also um einiges voraus. War ich vielleicht nicht mehr ganz frisch im Kopf? Ich bin halt keine 18 mehr!

Studentenpartys? Von denen muss ich mich eine Woche erholen. Und spontan geht gar nicht! Die Augenringe, die mir 7 Jahre Schichtarbeit vorm Studium beschert haben, lassen sich nicht so schnell wegzaubern. Ein einziges Mal in den letzten 12 Monaten habe ich mit einer Freundin die Nacht durchgetanzt, danach haben meine Knie auf dem Weg durchs Treppenhaus so laut geknackt, dass ich dachte, die Nachbarn werden wach. :(

Doch wo Schatten ist, ist auch Licht: Ich weiß, wie eine Waschmaschine funktioniert, kann meine Steuererklärung selbst machen, habe einen eigenen Haushalt und weiß genau, wer ich bin und wo ich hinwill. Das weiß mein befreundeter Kommilitone (süße 20) vielleicht noch nicht ganz, dafür kann der Ableitungen bilden. Nur mit dem eigenen Haushalt hapert’s noch. Der besteht nämlich aus genau einem Löffel, einem Brettchen und einem Messer, weil „man doch mehr nicht braucht, oder?“. "Ach Flori, komm du mal in mein Alter!“

// Sylvin studiert im 3. Semester Medizin an der Uni Leipzig. Als @sylvin_medlife berichtet sie regelmäßig über ihren Studierendenalltag ... und jetzt auch hier im Blog ;-).

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