Faul, schläfrig, feierwütig – Vorurteile über das Studentenleben

Mir passiert es immer wieder: Ich laufe durch die Stadt oder sitze im Café und bekomme zufällig Gesprächsfetzen über Studenten und deren „typische Lebensweisen“ mit. Studenten seien faul, würden bis Mittag schlafen und ständig feiern. Stimmt das wirklich oder handelt es sich hierbei lediglich um Vorurteile? Ich schaue mir drei verbreitete Annahmen mal genauer an … 

Grafik Vorurteile über das Studentenleben © Anna Dörfer

„Studenten wissen nicht, was Arbeit bedeutet.“

Studenten arbeiten. Aber anders: Sie lernen. Und Lernen ist harte Arbeit. Stundenlanges Lernen zur Vorbereitung der Klausur, Schreiben von zwanzigseitigen Hausarbeiten oder das Vor- und Nachbereiten der Lehrveranstaltungen gehören unter anderem dazu. Das ist zwar ein anderes Arbeiten als im Berufsleben, ist aber dennoch sehr anspruchsvoll. Zudem erleben viele Studierende eine Doppelbelastung: Sie suchen sich einen Nebenjob, um das Studium zu finanzieren oder um praktische Erfahrungen zu sammeln. Viele angehende Naturwissenschaftler engagieren sich schon frühzeitig in eigenen Forschungsprojekten oder stehen oft viele Stunden im Labor, um studienbegleitende Praktika zu absolvieren.

„Studenten feiern die ganze Zeit.“

Da ist etwas Wahres dran … aber nur zum Teil. Es gibt sehr viele Studentenpartys oder private WG-Feiern. Möchte man jede besuchen, kommt man gar nicht hinterher. Aber seien wir realistisch: Nimmt der fleißige Lernende sein Studium ernst, so hat man schnell eine 35-Stunden-Woche zusammen – je nach Studiengang und eigenem Engagement. Bei so einem Pensum hat der Großteil gar keine Lust, jede Party mitzunehmen und selektiert aus dem breiten Angebot. Daher sind Feiern zu Semesterbeginn und nach den Klausuren besonders beliebt, während die Wochen der Klausurvorbereitung für viele Studenten eine partyfreie Zeit sind. 

„Studenten schlafen bis Mittag.“

Es gibt immer wieder lustige Situationen: Wenn meine Oma mich am späten Vormittag anruft, fragt sie mich stets, ob sie mich denn geweckt hat – dabei bin ich seit drei Stunden wach. Weniger lustig finde ich Kommentare, die gelegentlich im Rundfunk zur Mittagszeit zu hören sind à la „Unseren Zuhörern wünschen wir einen guten Appetit und unsere Studenten begrüßen wir am Frühstückstisch.“ Wenn ich 7.15 Uhr Vorlesung habe, kann ich leider nicht ausschlafen – auch, wenn die Verlockung einfach liegen zu bleiben manchmal groß ist. Schlafen Studenten doch mal aus, dann hat dies oftmals nichts mit Faulheit, sondern mit einem anderen Tagesrhythmus zu tun. Jeder muss für sich selbst herausfinden, zu welcher Tages- oder eben Nachtzeit er am besten lernen kann. Und so gibt es Studierende, die lieber am Tage arbeiten und andere, die erst in den Abendstunden ihre effektivsten Arbeitsphasen haben.

Es gibt sicher einige Studenten, auf die die drei Aussagen zutreffen. In meinem Bekanntenkreis ist es nicht einmal eine Hand voll. Ab und zu haben bestimmt viele Studenten eine Phase, in der sie weniger produktiv sind, mehr feiern als sonst oder einmal länger schlafen. Aber auch das gehört dazu, denn schließlich ist das Studium eine Zeit, in der man sich findet und ausprobiert. Selbstorganisation und Zeitmanagement müssen auch erst einmal erlernt werden, und das steht in keinem Studienplan.

Anna

Anna studiert Communication Management an der Uni Leipzig. Im CampusSpezialisten-Blog berichtet sie über das Uni- und Studentenleben in Leipzig.

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