Semesterferi...yeah? - 5 Situationen, die uns manchmal daran zweifeln lassen

Jeder, der schon einmal das Wort ‚Semesterferien‘ in den Mund genommen hat, wurde von mindestens einer Professorin oder einem Kommilitonen eines Besseren belehrt: „Das heißt vorlesungsfreie Zeit.“ Und das mit gutem Grund: Es gibt beinahe nichts, das weniger mit der Bedeutung von Ferien in Verbindung gebracht werden kann, als diese Wochen, ja Monate, in denen wir uns nicht hinter Lehrveranstaltungen (und schon gar nicht hinter Ferien) verstecken können.

Es sei denn natürlich, man gehört zu den glücklichen Klausurschreibern, die sich tapfer durch die Prüfungszeit gequält und dafür mit Anbruch der Semesterferien so etwas wie ‚Ferien‘ auch wirklich verdient haben. Hatten wir wenige Tage zuvor noch Mitleid mit den armen Büfflern, lebten frei und unbeschwert, so treten diese spätestens jetzt ihren Platz in der Bib an uns ab: Die wirklich Bemitleidenswerten, die sich (warum noch Mal?) für eine Hausarbeit (bzw. Hausarbeiten, meistens im Plural) entschieden haben.

Hier kommen 5 Gründe, die zeigen, wie schwierig Semesterferien sein können:

#1 Man muss sich plötzlich selbst motivieren

Auf den ersten Blick strebt man der scheinbar monatelangen Freiheit entgegen. Theoretisch gesehen lässt sich nur Positives an der Flexibilität und selbstständigen Zeiteinteilung während der vorlesungsfreien Zeit erkennen. Naivität und Überschätzung der eigenen Motivation tun ihr Übriges. In der Praxis sieht das Ganze dann doch etwas anders aus: Die „Ich mache jeden Tag ein bisschen was, und abends habe ich Freizeit“-Einstellung wird in den meisten Fällen zu: „Ich komm heute mit an den See und mach dann morgen umso mehr!“. Irgendwie lässt einem das gute Wetter auch keine Wahl, schließlich muss man doch jeden warmen Tag nutzen!

#2 Man hat ständig ein schlechtes Gewissen

Der Hauptgrund, der die Produktivität in den (Sommer-)Semesterferien erheblich einschränkt: Sommer. Gibt es einerseits nichts Schöneres als im Juli, August und September frei zu haben, so gibt es andererseits nichts Quälenderes als eben NICHT frei zu haben. Wer zum See fährt, den plagt selbst dort ein schlechtes Gewissen. Und wer nicht zum See fährt, ist eben der, der an „so einem schönen Tag“ nicht zum See gefahren ist. Da freut man sich doch über jeden weiteren Regentag.

#3 Ablenkung gibt's immer genug

Leider lässt die Motivation an Regentagen ebenfalls zu wünschen übrig und auch die Wintersemesterferien können Ablenkung und Kontraproduktivität nicht entfliehen. Diese locken zwar nicht mit Unternehmungen im Freien, eignen sich dafür aber besonders gut für einen Netflix-and-Chill-Abend im Bett. Und wenn der Rest der Kommilitonen das selbige tut und sich gegenseitig bei diesem Vorhaben unterstützt, ist man eh aus dem Schneider. „Dafür sind wir morgen besonders produktiv. Ganz bestimmt.“

#4 Der Laptop selbst ist die Gefahr

Dabei birgt selbst der Laptop/Computer, an dem wir unsere Arbeit schreiben, jede Menge Gefahren und stellt in dieser so wehmütigen Zeit einen möglichen Feind dar. Handy ausschalten hilft leider auch nicht, wenn man noch Facebook, ASOS, Spotify, YouTube Co. ausgeliefert ist. Ein Klick raus aus dem Word-Dokument ist meist schon ein Klick zu viel in die falsche Richtung. Und wenn man schon jedes Katzenvideo gesehen und so viel Online-Shopping betrieben hat, dass der Postbote dich als seinen ‚Stammkunden‘ bezeichnet, kann man sich noch fragen: Wann habe ich eigentlich das letzte Mal die Fenster geputzt?

#5 Freizeit wird zu Arbeitszeit

Falls man sich dann doch mal von zu Hause aus dazu überwinden kann produktiv zu sein, ist man in der ewigen Spirale gefangen, Arbeitszone mit privatem Raum vermischt zu haben. Und aus der kommt man nicht mehr raus: Der Gedanke an die Hausarbeit begleitet einen vor dem Einschlafen, nach dem Aufwachen, beim Zähneputzen und beim Haare-Waschen. Da wünscht man sich doch glatt wieder einen geregelten Tagesablauf zurück, wenn Feierabend, Wochenende und Urlaub wirklich das sind, was sie versprechen!

Kurz: In den Semesterferien bemitleiden wir, die sonst so glücklichen und mit ihrem Alltag prahlenden Studierenden, uns gern und oft selbst und beneiden sogar Leute, die schon einen Arbeitsplatz haben. Und alle, die jetzt den Kopf schütteln und denken, Studentenleben wäre Urlaub pur: Glaubt mir, das ist es spätestens in den ‚Semesterferien‘ nicht mehr.

Ich selbst habe letzte Woche, pünktlich zum Ende des schönen Augusts, meine erste Hausarbeit abgegeben.
Die restlichen Arbeiten ziehen sich diesmal sogar bis in die Vorlesungszeit hinein, bis zum November. Aber Glück im Unglück, bis dahin ist ja noch etwas Zeit. ;)

// Olga studiert im Masterstudiengang Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Uni Leipzig. Im CampusSpezialisten-Blog berichtet sie über das Uni- und Studentenleben in Leipzig und gibt praktische Tipps.

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