Studieren ohne Hightech?

Egal, ob wir unsere Immatrikulationsbescheinigung ausdrucken, eine Modulanmeldung starten oder in der Mensa unser Mittagessen zahlen – mittlerweile scheint alles bis ins kleinste Detail höchst technisiert zu sein. Wenngleich ich diese Digitalisierung als selbsternannter „Semi-Technik-Nerd“ durchaus befürworte, stelle ich mir öfter die Frage, kann man noch ohne digitale Medien studieren? Was passiert, wenn man die ganze geliebte Technologie aus seinem Uni-Alltag verbannt?

Sieben Tage ohne Technik sollen im Rahmen eines Selbstversuches mir und euch Aufschluss über diese Fragen geben …

Studieren ohne Hightech: Peter Kießling

„Wegen höchst absonderlichen Verhaltens ungeeignet“

Schon im Vorfeld fühlte ich mich mit der Aufgabe „eine Woche im Studium ohne Technik“ etwas unwohl, zumal ich mich so an die kleinen elektronischen Helferlein gewöhnt habe. Texte werden über das Tablet gelesen, Vorlesungen über den Laptop mitgeschrieben … und davon mal ganz abgesehen: Ein Informatikstudium ohne Hightech?

Schlimm genug, dass ich mich im letzten Informatik-Seminar beim Übungsleiter blamiert hab, weil ich mich nicht entscheiden konnte, wie herum man diesen USB-Stick in den Port steckt. Jetzt kommt noch dazu, dass ich plane, mein nächstes Programm auf Papier abzugeben? Ich hoffe, es offenbart sich keine Klausel aus irgendeiner Uni-Verordnung, dass man wegen „höchst absonderlichen Verhaltens als zukünftige Lehrkraft ungeeignet“ sei.

Trotz allem reizt mich die Frage, wie viel Technik wirklich notwendig ist, und versuche mich daran, mein Studium für eine Weile ohne Laptop, Tablet, eigenen Drucker (und all den schönen Sachen) zu bewältigen.

Ein Raum bekommt eine ganz neue Bedeutung

Eigentlich begann die Woche wie jede andere – mit einem Montag! Und als ob dieser Fakt nicht schon schlimm genug wäre, ließ ich an diesem Tag meinen Laptop zu Hause. Der erste Eindruck war überraschend: Meine Tasche war auf einmal erstaunlich leicht. Zum Glück ist der Einsatz von Medien im Bereich Mathematik oft etwas konservativ. So entfällt die Notwendigkeit jeglicher Technik ohnehin. Eine große Herausforderung stellen jedoch einige Texte dar, die in Moodle (die Online-Lernplattform der Uni) hochgeladen werden. Wenn man sich nicht gerade eine Druckversion kaufen möchte, bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als einen Abstecher in einen Computerpool zu machen, um die Texte zu lesen oder zu drucken.

Doch schon am Dienstag wurde es grenzwertig: Man kann es sich natürlich schön reden, aber ein Informatikstudium ohne Computer? Auf lange Sicht scheint mir das Ganze nur schwer möglich. Denn selbst, wenn man Computerpools oder Ähnliches nutzt, wäre man immer an einen Raum gebunden, ohne den man nicht weiter an seinen Aufgaben arbeiten kann.
Die Frage, ob man ein geschriebenes Programm auch in Papierform abgeben kann, wurde übrigens genauso kurz wie simpel beantwortet: „Nein, kann man nicht.“ Ausgabe, Abgabe und Bewertung solcher Serien laufen völlig online. Ein Umstieg auf das gute alte Papier ist an dieser Stelle also tatsächlich ausgeschlossen.

Auch das Thema Drucken machte mir zu schaffen. Drei Monate nach meiner Immatrikulation stellte ich nämlich fest, dass mein guter alter Tintenstrahldrucker seiner Aufgabe während meines Studiums nicht mehr gewachsen war. Das Nachfolgemodell geht nun fast schon etwas in Richtung „overkill“ – schafft dadurch aber auch eine immense Erleichterung, wenn es ums Drucken, Kopieren oder Scannen geht. Auch hier fiel es mir schwer, darauf zu verzichten. An diesem Punkt muss ich sogar zugeben, dass ich meinem Vorsatz nicht immer ganz treu bleiben konnte. Samstagabend ließ es sich einfach nicht mehr vermeiden!

Sieben Tage ohne Technik - Mein Fazit

Durch den bewussteren Umgang mit der Technik wurde mir jedoch auch eines klarer:Es geht prinzipiell auch ohne eigene Technik. Computer, Drucker und sogar Lizenzen für nötige Programme werden für Studierende kostenlos zur Verfügung gestellt*.Jedoch ist man in dem Moment natürlich an die jeweiligen Räumlichkeiten der Uni gebunden.

Für alle, die sich also fragen, ob ein Studium ohne eigene Technik möglich ist: Ja, ist es. Dennoch muss ich zugeben, dass ich wirklich sehr froh bin, nicht ohne auskommen zu müssen. Fairerweise muss ich an dieser Stelle übrigens noch zugeben, dass mein Handy in meinem Besitz blieb. Man muss es ja auch nicht übertreiben ;).

// Peter studiert Mathematik und Informatik für das Lehramt am Gymnasium an der Uni Leipzig. Im CampusSpezialisten-Blog berichtet er über das Uni- und Studentenleben in Leipzig.


*Eine Auflistung der Angebote des Universitätsrechenzentrums für Studierende findest du hier:

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