WG-Casting aus Sicht der WG - Anna berichtet

Irgendwann kommt er, und manchmal schneller als gedacht: Der Zeitpunkt, an dem ein WG-Mitglied die Wohnung verlässt. Um in eine andere Stadt zu ziehen, mit dem Freund oder der Freundin die ersten eigenen vier Wände zu teilen, um in einer neuen Bleibe sein Glück zu versuchen, weil es mit den anderen Mitbewohnern nicht harmoniert oder – in unserem Fall – um ein Jahr im Ausland zu verbringen. Nun steht die WG als Ganzes vor der schwierigen Aufgabe, jemand neuen zu finden. Verwöhnt von einer super funktionierenden 3er WG haben wir da natürlich unsere Ansprüche …

WG-Suche - Aus Sucht der WG

Das Aufeinandertreffen

Eine ganz spannende Situation. Man trifft auf nahezu unbekannte Menschen mit vollkommen unterschiedlichen Charakteren. Die anfängliche Fremdheit ist allerdings gekoppelt an den Gedanken zum potenziellen Mitbewohner – und einer damit einhergehenden Vertrautheit. Es klingelt an der Tür und man lässt den- oder diejenige herein. Erstes Händeschütteln, begrüßen, anschließend die Wohnung zeigen. Dann versucht man noch, das ein oder andere Detail herauszufinden, stellt Fragen, tauscht sich aus.

Ein wenig kamen wir uns dabei vor wie in einem Verhör, aber die angespannte Situation kann man dadurch ein wenig entschärfen, dass man das Ganze locker angeht und sich zu einem Kaffee in die Küche setzt. 

Die Entscheidung

Die Stunde der Wahrheit. Für uns gestaltete sich die Entscheidung äußerst schwierig. Wir haben allesamt sympathische, aber vollkommen unterschiedliche Menschen kennengelernt. Es war niemand dabei, den wir uns überhaupt nicht vorstellen konnten. Jeder hat unterschiedliche, ganz eigene Vorzüge und Besonderheiten gehabt. Aber wer hat am besten zu uns gepasst, welches Kriterium war ausschlaggebend? Äußerst schwierig. Selbst eine Prokontra-Liste hat uns nicht die erhoffte Entscheidung gebracht. Letztendlich  war entscheidend – wie fast immer – das Bauchgefühl. Das Quäntchen mehr Sympathie, dass man nicht mal an einem bestimmten Punkt festmachen kann.

Was uns ganz und gar nicht leicht fiel, waren die Absagen an die anderen Interessentinnen. Denn unsympathisch war uns keine der Bewerberinnen. Deshalb war es uns ganz wichtig, jeder zur Absage eine Begründung zu liefern und viel Erfolg bei der weiteren Suche zu wünschen.

Ihr seht also, dass es sich aus der Sicht der bestehenden WG auch nicht immer einfach gestaltet, die richtige Wahl zu treffen. Gerade der Entscheidungsprozess ist unfassbar schwierig und man möchte niemanden vor den Kopf stoßen, dabei aber trotzdem die optimale Lösung und das passendste WG-Mitglied finden. Uns ist das gelungen. Als Suchende kann es sein, dass ihr mehr als eine Handvoll WGs ansehen müsst, bevor ihr die Passende findet und sich umgekehrt auch für euch entschieden wird. Aber ich sage immer so schön: ‚everything happens for a reason‘, deshalb lasst den Kopf nicht hängen, wenn es nicht gleich klappt, sondern bleibt am Ball, die für euch passende WG wird sich finden! Ganz sicher! 

Anna K.

// Anna K. studiert im zweiten Semester Lehramt an Grundschulen an der Uni Leipzig. Anna K. kommt dir bekannt vor? Im letzten Jahr hat sie gemeinsam mit vier weiteren Ersti-Experten Videotagebuch zum Studienstart geführt.

Die Suche

Um das Inserat auf dem Internet-Portal kümmert sich meist derjenige, der die WG verlässt. Erste Herausforderung: Das Gesuch im aufkommenden WG-Inseratsdschungel so zu gestalten, dass es ansprechend ist, ohne zu übertreiben. Authentizität ist hier das Stichwort. Wichtige Eckdaten wie Kalt-/Warmmiete, Zimmergröße, Stadtteil sind unabdingbar und meist ausschlaggebend, was die Interessentenanzahl angeht.

In unserem Fall handelt es sich um ein 18 m²-Zimmer auf der Karli. Für den Geldbeutel erschwinglich. Altbau. Und ein großartiges warmherziges WG-Leben dazu. Anfragen über Anfragen haben uns erreicht. Männer und Frauen in verschiedensten Altersstufen, mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen, Interessen, Persönlichkeiten ...

Den Überblick behalten

Aber wie den Überblick behalten bei 20 Interessenten? Wie alles organisieren? Ich habe schon von „Castings“ gehört, bei denen die WGler im Flur eine Liste mit allen Bewerbernamen samt Telefonnummer und Besichtigungsdatum hängen hatten. Mehr nicht. Da fühlt man sich abgefertigt wie eine Hausnummer, oder? Auch von Situationen, in denen alle beisammen saßen - Klemmbretter parat – und Fragen gestellt haben wie in einem Verhör. Kann dies der Einstieg in ein harmonisches, entspanntes WG-Leben? Nein, wohl eher nicht.

So wollten wir unsere Suche nicht gestalten. Für uns ging in diesem Fall Qualität vor Quantität. Wir haben uns aus der Vielzahl der Suchenden eine Handvoll Leute ausgesucht, die wir gern näher kennenlernen wollten. Das geschah anhand ihrer Anfragen/ihres Schreibens. Natürlich ist man nicht davor gefeit, hier falsche Entscheidungen zu treffen, aber das haben wir in Kauf genommen. Und das war die absolut richtige Entscheidung.  

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