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Ethnologie

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Bachelor of Arts (B.A.)

Foto Nicole Höppner

Nicole Höppner

1. Können Sie sich noch an Ihre ersten Studientage erinnern – wie war Ihr erster Eindruck von der Universität Leipzig?

Ich kann mich lebhaft an die Einführungswoche meines Hauptfachs Ethnologie erinnern. Alle Studienanfänger versammelten sich in den Interimsräumlichkeiten in der Burgstraße. Wir hörten einführende Worte des damaligen Institutsleiters Prof. Bernhard Streck und weiterer Dozenten und mussten mehrere Testate schreiben. Anschließend gab es Einzelauswertungsgespräche. Das war natürlich aufregend. Aufgrund der über die ganze Stadt verteilten Institute waren die ersten Wochen ein wenig chaotisch, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Glücklicherweise konnte ich mich in Leipzig aber auch schon gut orientieren, weil ich nicht erst zum Studium hergezogen bin.

2. Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie Ihr Studium kurz beschreiben?

Im Grundstudium wurde uns das theoretische Grundlagenwissen auf dem Gebiet der Ethnologie vermittelt (z.B. Religions- und Gesellschaftsethnologie). Erste Einblicke in ein mögliches Arbeitsgebiet gewährte mir das Museum für Völkerkunde in Dresden, wo ich ein Praktikum absolvierte. Im Hauptstudium gab es dann mehr Gelegenheiten, sich thematisch „auszuprobieren“ (Referate und Projektarbeiten) und regionale Schwerpunkte zu setzen. Ich habe mich für Süd- und Mittelamerika entschieden. Meine Magisterarbeit beschäftigte sich mit dem sächsischen Reiseschriftsteller Erich Wustmann, der u.a. in Zentralbrasilien forschte. Die Arbeit soll, wenn alles klappt, im Universitätsverlag erscheinen.

3. Haben Sie jemals an Ihrer Studienwahl gezweifelt? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Ich hatte keine Zweifel. Ich wusste, dass ich nach meiner Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste und ersten Berufserfahrungen unbedingt studieren wollte. Die Wahl meiner Studienfächer habe ich zu einem großen Teil meiner Bauchentscheidung zu verdanken. Natürlich habe ich mich vor der Bewerbung für einen Studienplatz mit den genauen Studieninhalten beschäftigt, aber was man dort nachlesen kann, ist nicht immer greifbar. Ich habe mich deshalb meinen Interessen entsprechend für eine große thematische Bandbreite an Studieninhalten entschieden (Ethnologie im Hauptfach, Kunstgeschichte/Kommunikations- und Medienwissenschaft in den Nebenfächern).

4. Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Ich habe mich bei meiner Studienfachwahl darauf konzentriert, Inhalte zu wählen, die das höchstmögliche Potential haben, mich über das gesamte Studium hinweg und natürlich darüber hinaus zu begeistern. Selbstverständlich gab es Momente, beispielsweise vor kniffeligen Prüfungen, die nicht leicht fielen, aber es ist ein tolles Gefühl, auch das zu bewältigen. Ich habe bereits vor meinem Studium in einer großen Bibliothek gearbeitet und auch neben der Uni in dem Bereich weitergearbeitet (z.B. als studentische Hilfskraft des Instituts für Ethnologie). Mein Studium der Ethnologie hat mir einen erheblichen Teil der fachlichen Voraussetzungen für meine momentane Anstellung verschafft.

5. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?

Nach dem Abitur war ich mir nicht sicher, was ich studieren möchte. Aus diesem Grund habe ich mich erst einmal für die Erlernung eines Berufs entschieden. Für meine persönliche und berufliche Entwicklung war dies der richtige Weg, denn anschließend wusste ich viel genauer, welches Studium zu mir passen könnte. Nach dem ersten Studium nahm ich ein weiteres auf (Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HTWK Leipzig) und schuf mir somit ein zweites ergänzendes „Standbein“, nicht zuletzt, da ich die Stellensituation im Bereich der Ethnologie als komplex und schwierig empfand. Seit Beginn 2014 arbeite ich in der Bibliothek des MPI für ethnologische Forschung in Halle/Saale.

6. Wie sehr hat Ihr Studium Ihre jetzige berufliche Tätigkeit geprägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer Tätigkeit? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Meine Studieninhalte und meine Anstellung ergänzen sich sehr gut, denn auch wenn ich in meiner Position selbst keine ethnologische Forschung betreibe, so kann ich dennoch gut nachvollziehen, womit sich die Wissenschaftler des Instituts beschäftigen. Im Umgang mit der Literatur zum Thema Ethnologie und der Beantwortung von Anfragen empfinde ich es als großen Vorteil, Ethnologie selbst studiert zu haben, auch wenn dies keine Einstellungsvoraussetzung war.

7. Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer jetzigen Position aus?

Die Bibliothek ist v.a. für die Literaturversorgung der Wissenschaftler verantwortlich. Darüber hinaus wird sie auch von vielen Externen, z.B. Studenten der Unis Halle-Wittenberg und Leipzig, genutzt. Meine beiden Kolleginnen und ich sind Ansprechpartner für alle Fragen und Wünsche der Bibliotheksnutzer. Wir kaufen und besorgen die Bücher, die sie für ihre Forschung brauchen. Ich kümmere mich noch um die Pflege eines Publikationsrepositoriums. Wenn Wissenschaftler des Instituts publizieren, so nehme ich alle Angaben auf. Zukünftig sollen auch Volltexte in diese Datenbank eingebunden werden. Alle neuen Wissenschaftler/Gäste erhalten außerdem eine ausführliche Bibliothekseinführung.

8. Was sind die wichtigsten drei Kompetenzen in Ihrem Arbeitsalltag?

Die fachliche Kompetenz für die Ausübung meines Berufs habe ich mir durch die verschiedenen absolvierten Studienfächer aneignen können. Hierzu zählt in meiner Position besonders die Informationskompetenz, also die Fähigkeit, kompetent mit Informationen und ihrer Bereitstellung umzugehen.

Besonders wichtig ist, meiner Meinung nach, aber die soziale bzw. interkulturelle Kompetenz, da hier am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung täglich so viele Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen und miteinander arbeiten.

9. Wie gelingt Ihrer Meinung nach ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche (Einstiegswege, Bewerbungstipps, etc.)?

Man sollte schnell herausfinden, wofür man sich interessiert und z.B. einen Fokus auf regionale oder thematische Punkte setzen (z.B. in Form von Praktika). Als Ergänzung ist ein Nebenjob auf diesem Gebiet sicher sehr hilfreich. Ich persönlich habe nebenberuflich breit gefächerte Interessen verfolgt und stets versucht, den „roten Faden“ zu bewahren. Einige meiner Kommilitonen sammelten während ihres Studiums Auslandserfahrungen und haben beispielsweise für ihre Abschlussarbeiten Forschung im Ausland betrieben. Das war jedoch kein Muss. Ich konnte mich glücklicherweise gut mit meinen Dozenten austauschen und gemeinsam mit ihnen herausfinden, welche Themenschwerpunkte ich umsetzen möchte.

10. Was würden Sie den heutigen Studienanfänger/innen mit auf den Weg geben?

Selbstorganisation ist wichtig. Wenn es gelingt, einen guten Überblick über Studienanforderungen und ihre Realisierung zu behalten, dann verläuft das Studium weniger stressig. Dieser Punkt war in meinem Magister existentiell. Wie die Handhabung bei modularisierten Studienfächern läuft, kann ich nicht beurteilen. Außerdem war es von Vorteil, mit Kommilitonen und besonders den Dozenten im Gespräch zu bleiben, besonders wenn sich einmal Probleme, zum Beispiel bei der Realisierung von Prüfungen, Hausarbeiten etc., auftaten. Eine Lösung fand sich immer. Und: es gibt ein Leben neben dem Studium! Das sollte man pflegen, ohne die Verpflichtungen des Studiums aus den Augen zu verlieren.

Persönliche Angaben

  • Name, Vorname: Höppner, Nicole
  • Geburtsjahrgang: 1981
  • Studiengang: Magister in Ethnologie (HF), Kunstgeschichte, Kommunikations- und Medienwissenschaft (NF)
  • Jahr der Immatrikulation: 2004
  • Jahr der Exmatrikulation: 2010
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: Max-Planck-Gesellschaft, Bibliotheks- und Informationswissenschaftlerin im Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle/Saale


Interview Stand April 2014

// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.