Unserer Studienbotschafterin Patricia eröffneten sich nach dem Abitur mit ihrem Schnitt alle Türen. Das heißt aber auch: Sie stand vor der Qual der Wahl und zugleich ganz schön unter Druck. Im FSJ kam die ersehnte Klarheit: Rechtswissenschaft. Denn das befriedigt ihr Bedürfnis, Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen und hält ihr viele berufliche Möglichkeiten offen.

Ich war niemand, der von klein auf ein festes berufliches Ziel vor Augen hatte. Die Idee Jura zu studieren, war zwar schon da. Dass das das für mich richtige Studium ist, war mir aber erst nach dem FSJ klar.

Studienbotschafterin Patricia, Rechtswissenschaft
Studienbotschafterin Patricia sitzt auf einer Bank auf dem Campus und hält einen Becher in der Hand, Foto: Christian Hüller
Studienbotschafterin Patricia, Foto: Christian Hüller

Mein Steckbrief

Mein Weg zum Studium

Ich war niemand, der von klein auf ein festes berufliches Ziel vor Augen hatte. Das hat mich sehr gestresst, zumal nach dem Abitur jeder wissen wollte, wie es nun weitergeht. Die Idee Jura zu studieren, war zwar schon da, allerdings war der Studiengang für mich nicht recht greifbar und ich konnte nicht einschätzen, ob er wirklich zu mir passt. Daher habe ich erstmal ein FSJ bei der Lebenshilfe gemacht. Das hat mir sehr gut getan. Denn ich habe mich um einiges weiterentwickelt und festgestellt, dass ich gerne Menschen bei ihren Problemen oder Anliegen helfe. Dabei ging mir auf, dass sich das sehr gut mit Jura vereinen lässt. Schließlich geht es im Kern darum, einer Person bei Problemen zu dem ihr zustehenden Recht zu verhelfen.

Meine Entscheidung für Rechtswissenschaft

Jura war für mich eine gute Lösung, weil es mir viele Möglichkeiten offenhält. Die Frage ‚was machst du nach dem Abitur?‘, die mir damals so lebensentscheidend und viel zu groß vorkam, ganz so als würde ich mich schon jetzt, kurz nach dem Abi, für mein ganzes Leben festlegen, wurde so leichter. Ich bin mit der Entscheidung jetzt auch sehr glücklich.

Meine Entscheidung für Leipzig

Ich wollte in eine Stadt ziehen, die ein zweites Zuhause werden kann. Leipzig hat bei mir in der Gegend (Niedersachsen, am Harz) einen sehr guten Ruf; einige haben mich um meinen Umzug sogar etwas beneidet. Anfangs hatte ich ziemlich Respekt vor dem Schritt, da mir sowohl die Uni als auch die Stadt groß vorkamen. Allerdings war das für mich als ‚Landei‘ auch sehr reizvoll. Tatsächlich war mein Start in Leipzig gar nicht so überfordernd und mittlerweile fühle ich mich unglaublich wohl hier.

Für Jurastudierende ist Leipzig übrigens besonders attraktiv, denn das Repetitorium ist hier kostenlos. Normalerweise zahlt man da gut und gerne um die 2.000 bis 3.000 Euro.

Rechtswissenschaft – das ist für mich

Lesen. Diskutieren. Analytisch Denken.

Am spannendsten fand ich bisher

Ganz klassisch: Strafrecht. Das ist einfach die Vorlesung, mit der man, vor allem zu Beginn des Studiums, am meisten anfangen kann, weil man durch den ‚Tatort‘ beispielsweise schon ein grobes Bild hat. Überrascht hat mich, wie spannend die Vorlesung zum Staatsorganisationsrecht war. Wie die meisten habe ich anfangs gestöhnt. Aber zu begreifen, wie komplex Staatlichkeit organisiert, legitimiert und kontrolliert ist, war sehr beeindruckend.

So hat sich mein Bild von Rechtswissenschaft geändert

Naja, es gibt so manches Vorurteil über Jurastudierende. Am bekanntesten ist wahrscheinlich das vom ‚Jura-Justus‘, der im Anzug und mit Aktentasche die Vorlesung besucht. Auch das Klischee von Lehrbüchern mit ausgerissenen Seiten in der Bibliothek ist weit verbreitet. Fakt ist aber, Jurastudierende laufen mit Jogginghose rum, tragen Jeans oder eben auch mal eine schickere Hose. Und: Tatsächlich waren bisher alle Bücher in der Bibliothek vollständig.

Nicht selten trifft man auch auf die Einschätzung, Jura sei (vermutlich aufgrund der hochkomplexen, präzisen Sprache der Gesetzestexte) trocken oder langweilig. Das Gegenteil ist der Fall. Denn man hat sehr viel mit lebensnahen Inhalten zu tun.

Voraussetzungen, die ich erfüllt habe

Grundsätzlich sind außer dem Abitur keine formalen Voraussetzungen zu erfüllen. Es gibt also keinen NC! Man sollte allerdings auf jeden Fall Spaß daran haben, viele, zudem sehr anspruchsvolle Texte zu lesen. Zu den Gesetzestexten kommen nämlich noch so einige Lehrbücher, Aufsätze und Kommentare dazu, in denen sich Jurist:innen Gedanken zu einzelnen Paragrafen machen. Leider sind sich die oft nicht einig. Weil so viel strittig ist, besteht das juristische Handwerk vor allem darin, gut begründen und argumentieren zu können. Mitbringen sollte man außerdem eine hohe Lernbereitschaft und die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren. Ich sitze durchaus auch am Sonntagnachmittag lernend in der Bib.

Was vielleicht auch ganz interessant ist: Ich habe mein Abitur auf einem Gymnasium mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt gemacht. Viele in meinem Umfeld dachten, dass das mit Blick auf Jura nichts bringen würde. Mir hat der Background aber sehr geholfen, weil Jura viel mit Verknüpfen zu tun hat, das heißt mit Argumentationsfolgen und Problemdenken. Das strukturierte Begreifen und Abwägen einer Situation hat einen sehr mathematischen Charakter.

So wohne ich

Zu Beginn des Studiums habe ich im Wohnheim in einer 2er-WG gewohnt. Das war vor allem anfangs super, weil ich ja alleine nach Leipzig kam. Nach einem Jahr bin ich dann mit zwei Freundinnen in eine 3er-WG gezogen. Eine Wohnung zu finden, ist in Leipzig übrigens im Vergleich zu anderen Großstädten immer noch leichter und günstiger.

So finanziere ich mich

Seit kurzem arbeite ich als studentische Hilfskraft (SHK) als Studienbotschafterin an der Uni Leipzig. Ein Job, bei dem ich auf sehr viele Menschen treffe und der eine gute Abwechslung zu meinem Jurastudium ist.

So hat sich mein Alltag durch das Studium verändert

Das Gravierendste ist sicherlich, dass ich meinen Alltag selber strukturieren muss. Meine Tage sind sehr voll und relativ effizient durchstrukturiert.

So viel Zeit verbringe ich mit dem Studium

Ich habe im Grunde schon einen Arbeitstag von 9:00 - 19:00 Uhr (mit Pausen natürlich) und oft auch eine 6-Tage-Woche. Aber ich bin viel flexibler. Ich kann auch mal eine Vorlesung nicht besuchen und den Stoff nacharbeiten. Diese Gestaltungsfreiheit, diese Autonomie schätze ich sehr.

Wichtig zu wissen ist, dass man nicht wie in anderen Fächern nach und nach Prüfungen hat, sondern en bloc. Das heißt, man hat während des Semesters keine einzige und dann kommen vier, fünf Klausuren innerhalb von acht Tagen auf einmal. Die Examensvorbereitung dauert sogar ein ganzes Jahr lang! Wie heftig das ist, sehe ich bei Kommiliton:innen. Die haben monatelang nichts anderes im Kopf als Arbeiten. So zu lernen (und das Lernen zu lernen), dass man sein ganzes Wissen in kurzer Zeit abrufen kann, ist eine ganz schöne Herausforderung.

So habe ich Leute kennengelernt

Anfangs über die WG im Wohnheim. Aber auch überraschenderweise über die Online-Veranstaltungen, die während Corona nötig waren. Zunächst ging es darum Lerngruppen zu bilden, daraus sind schnell private Freundschaften entstanden. Ich spiele außerdem Trompete im Posaunenchor. Und vor dem Unisport (ich mache Faustball) verabreden wir uns auch oft. Irgendwann ist es dann der bekannte Schneeballeffekt. Ich kann für mich schon sagen: in zwei, drei Semestern habe ich einen sehr guten Freundes- und Bekanntenkreis hier aufbauen können und fühle mich richtig wohl.

So lerne ich

Ich lerne keine Paragrafen auswendig. In Jura geht es vielmehr darum zu verstehen, wie man einen Gesetzestext auslegt. Das übe ich mit meiner wöchentlichen Lerngruppe. Wir diskutieren Beispielfälle, die wir uns über Datenbanken oder Fallbücher selbst organisieren. Ich habe für mich festgestellt, dass man zusammen auf mehr Ideen kommt. Fälle alleine durchzuarbeiten, ermüdet und frustriert schnell. Ich zumindest neige dazu, schneller zu den Lösungsvorschlägen zu greifen. Wenn ich selbständig lerne, gehe ich meistens in die Bib. Dort bin ich einfach konzentrierter, habe alles zur Hand und es ist eine gute Lernatmosphäre da.

Das ist eine Herausforderung für mich

Eine feste Lernstrategie zu finden. Nach wie vor überlege ich, ob es sinnvoll ist, wie ich lerne. Gerade mit Blick auf das Examen. Jetzt schreibe ich beispielsweise Karteikarten, aber ob mir die in zwei Jahren helfen, kann ich jetzt natürlich nicht definitiv sagen. Es ist schon so: Die ersten Semester bestehen darin, das Lernen zu lernen und für sich herauszufinden, was gut funktioniert. Am Anfang kämpft man mit der immensen Stofffülle. Unfassbar was man in einer anderthalbstündigen Vorlesung unterbringen kann; und das muss man ja selber nacharbeiten.

Damit habe ich nicht gerechnet

Wie sehr man sich auf einmal selbst organisieren muss und wie viele verschiedene Leute an der Uni aufeinandertreffen. Zum Glück bin ich schon immer ein strukturierter Mensch gewesen. Das hat es mir leichter gemacht, nicht in der Fülle an Aufgaben unterzugehen. Für mich klappt es vor allem gut in Lerngruppen zu arbeiten. Dabei ist mir auch immer wieder bewusst geworden, dass nicht nur ich, sondern auch andere ihre Schwierigkeiten im Studium haben und dass das ganz normal ist. Dadurch habe ich mich nicht mehr ganz so verloren gefühlt und hatte meine Leute, die zusammen mit mir ‚verzweifelt‘ sind und sich mit mir zusammen gefreut haben, wenn nach langem Grübeln endlich eine Lösung gefunden wurde.

Das habe ich (über mich) gelernt

Ich habe mich insofern neu kennengelernt, als dass ich noch zur Schulzeit nicht von mir gedacht hätte, dass es mir so leichtfallen würde, mich auf verschiedene Leute einzustellen.

Ich war außerdem in der Schule relativ faul. Ich habe wenig gelernt und kam auch so ganz gut durch. Daher hatte ich damit gerechnet, dass es mir schwerfallen würde, mich zu motivieren. Dass ich einmal so diszipliniert sein würde, mich sogar sonntags freiwillig in die Bibliothek zu setzen, hätte ich von mir selbst nicht gedacht.

So hat mich das Studium verändert

Ich glaube, ich habe inzwischen auf viele Sachen eine andere Sichtweise. Ich urteile nicht mehr so schnell. Ich bin reflektierter, wäge mehr ab. Ich interessiere mich auch deutlich mehr für Politik. In der Schule war mein Horizont noch kleiner.

Das hätte ich gerne vorher gewusst

Im Grunde viel mehr von dem Studium selbst. Ich habe nach dem Abi nicht recht herausgefunden, wie das Studium aufgebaut ist. Es wäre cool gewesen, wenn es sowas, wie die Semesterbetreuer:innen, die es hier an der juristischen Fakultät gibt, bzw. uns die Studienbotschafter:innen, damals gegeben hätte.

Diese beruflichen Perspektiven habe ich

Klassisch sind die Anwaltskarriere und die Beamtenlaufbahn als Richter:in oder Staatsanwält:in. Daneben gibt es jedoch viel, viel mehr Möglichkeiten, denn Rechtsfragen stellen sich immer und überall; sei es in der Verwaltung oder in Unternehmen. Auch in der Politik tummeln sich einige Jurist:innen.

Diese beruflichen Erfahrungen habe ich bislang

Während des Studiums ist es Pflicht für insgesamt 90 Tage Praktika zu absolvieren. Ich werde demnächst in einer Anwaltskanzlei, die einen Schwerpunkt in Verwaltungsrecht hat, ein vierwöchiges Praktikum machen. Da freue ich mich schon sehr drauf.

Das habe ich vor

Mein Mentor hat mich im ersten Semester gewarnt, antworte niemandem auf die Frage, was du beruflich vorhast, denn das ändert sich noch einige Male im Laufe des Studiums. Aber ich will nach wie vor Richterin werden; am liebsten in Richtung Europarecht.

Das würde ich heute anders machen, um das für mich passende Studienfach zu finden

Ich war zwar im BIZ und habe auch Messen besucht, aber ich habe nie einen Self-Assessment-Test gemacht. Das würde ich inzwischen empfehlen. Denn die helfen zu reflektieren, ob das geplante Studium zu einem passt, also den eigenen Fähigkeiten, Bedürfnissen und vor allem der Persönlichkeit entspricht. Online finden sich da eine ganze Menge. 

Und nochmal: Ich würde mit Studierenden reden. Genau dafür sind wir, die Studienbotschafter:innen, und die Semesterbetreuer:innen der juristischen Fakultät da. Wir stehen für alle Fragen zur Verfügung, die vor dem Studium aufkommen; ganz unbürokratisch und unkompliziert. Du schreibst einfach eine Mail, triffst dich mal auf einen Kaffee oder läufst für einen Tag bei Veranstaltungen mit. Da lernst du die Uni kennen, die Studierenden, ja entwickelst ein Gefühl dafür, wie es an der Uni so ist. Und wer das Studium hautnah erleben möchte, kann am „Schnupperstudientag Jura“ teilnehmen.

Das hilft mir mit Herausforderungen des Studiums umzugehen

Wenn ich merke, dass mir alles zu viel wird, schreibe ich mir To-Do-Listen. Priorisieren hilft immer.

Meine Tipps für euch

Erstmal: Macht euch nicht verrückt! Auch wenn man nach dem Abi ein Jahr ‚Pause‘ macht, ist nichts verloren. Im Gegenteil, für mich war die FSJ-Zeit super wichtig, um erstmal herauszufinden, was ich will. Und: Auch wenn man was anfängt, muss man es nicht auf Gedeih und Verderb bis zum Ende durchziehen.

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