Eigentlich wollte unsere Studienbotschafterin Vivi nur für ein, zwei Semester Arabistik und Islamwissenschaft studieren. So lange bis sie einen Plan hat, wie es weitergehen soll. Aber dann hat das Fach sie nicht mehr losgelassen. Jetzt ist sie seit vier Jahren dabei.

Aus Neugierde habe ich mich spontan für Arabistik und Islamwissenschaft eingeschrieben. Ich war überzeugt, dass das eine Übergangslösung sein würde. Aber das Fach hat mich echt gecatcht.

Studienbotschafterin Vivienne, Arabistik und Islamwissenschaft
Studienbotschafterin Vivi steht auf dem Campus und lacht mit einer Studentin, Foto: Christian Hüller
Studienbotschafterin Vivi, Foto: Christian Hüller

Mein Steckbrief

Mein Weg zum Studium

Ich habe in Bern (Schweiz) die sogenannte Matura gemacht. Das entspricht in Deutschland dem Abitur. Weil ich danach direkt studieren wollte, habe ich in Bern angefangen. Ich bin erst zum Masterstudium nach Leipzig gegangen.

Meine Entscheidung für Arabistik und Islamwissenschaft

Ich hatte während der Schulzeit vielfältige Interessen, mich festzulegen fiel mir total schwer. Ich wusste eher, was ich nicht wollte.

Damals habe ich in den Medien viel über ‚den‘ Islam gelesen. Aus Neugierde – und auch weil ich mir nicht vorstellen konnte, ein Jahr lang ohne Plan zu leben – habe ich mich spontan für Arabistik und Islamwissenschaft eingeschrieben. Ich war überzeugt, dass das eine Übergangslösung sein würde und dass ich das Studium wieder abbreche. Aber das Fach hat mich echt gecatcht. Plötzlich hatte ich sechs Stunden Arabisch in der Woche, kam in Kontakt mit diversen und offenen Menschen und lernte super viel über Politik und das Weltgeschehen. Heute bin ich richtig happy mit meiner Studienwahl. Ich bin ja auch schon über vier Jahre dabei.

Meine Entscheidung für Leipzig

Den Bachelor habe ich noch in Bern gemacht. Danach wollte ich einfach mal raus, in eine größere, deutsche Stadt. Für Leipzig sprach zweierlei: Zum einen hatte ich Leipzig bei einem Städtetrip als diverse und weltoffene Stadt kennengelernt; gerade in Sachen Clubkultur und politischen Strukturen komme ich hier voll auf meine Kosten. Zum anderen mag ich Leipzig, weil die Stadt trotz ihrer Größe überschaubar ist. Hier wohnen einfach sehr viele Studis, so dass ich schnell Anschluss gefunden habe. Ich fühle mich in meinem Kiez, der Eisenbahnstraße, richtig zu Hause. Im Leipziger Westen gibt es außerdem echt gute Secondhandläden.

Von einem ehemaligen Dozenten, der in Leipzig studiert hatte, wusste ich außerdem, dass das orientalische Institut relativ klein und familiär ist. Ich kann sehr eng mit den Mitstudis und Dozierenden zusammenarbeiten. Der Umgang miteinander ist sehr persönlich, wertschätzend und auf Augenhöhe. Die Dozierenden sind gut vernetzt, super hilfsbereit und unterstützend; das ist besonders wertvoll, wenn es um die Organisation von Auslandsaufenthalten geht.

Arabistik und Islamwissenschaft – das ist für mich

Arabistik und Islamwissenschaft zu studieren heißt für mich, auf reflektierte Weise einer Kultur zu begegnen, die nicht nur eine äußerst bewegte Geschichte, sondern auch eine sehr anspruchsvolle Literatur hat – und nicht zu vergessen eine, wie ich finde, wunderschöne Sprache.

Am spannendsten fand ich bisher

Ein Seminar zu islamischem Reformdenken. Wir haben Texte säkularer Denker:innen gelesen, die Anfang des 20. Jahrhunderts lebten. Ich muss zugeben, mir war weder bewusst, dass es im arabischsprachigen Raum eine kritische Auseinandersetzung mit der Moderne, ja im Grunde ‚aufklärerisches Denken‘ gab, noch dass Frauen dabei eine so herausragende Rolle spielten. In Europa findet diese eigentlich recht große Bewegung viel zu wenig Aufmerksamkeit, finde ich.

Auch ein Seminar zur Entwicklung des Bildungssystems in Ägypten war sehr eindrücklich. Es ging darum, wie sich die religiösen Schulen unter dem Einfluss des importierten europäischen Schulmodells gewandelt haben. Bei der dazugehörigen dreiwöchigen Studienreise nach Ägypten haben wir super viele spannende Leute kennengelernt, die da forschen. Das hat mich total gecatcht. Denn damit hatte das Studium auf einmal so einen starken Bezug zum ‚echten Leben‘. Die Exkursionen in der Arabistik und Islamwissenschaft sind überhaupt einfach mega.

So hat sich mein Bild von Arabistik und Islamwissenschaft geändert

Ich konnte mir nicht vorstellen, was ich in dem Studium genau lernen würde, bevor ich damit angefangen habe. Ich bin nämlich ehrlich gesagt eher reingestolpert. Zwei Erwartungen haben sich erfüllt: Ich habe viel über die Sprache und viel über den Islam gelernt (ich musste jedoch nicht den ganzen Koran durchlesen, wie manche annehmen). Am Anfang des Studiums dachte ich, dass ich Arabisch nie meistern würde. Inzwischen kann ich jedoch ein arabisches YouTube Video recht gut verstehen und mich im „Bistro Syrien“ in meinem Haus verständigen. Ich werde oft gefragt, ob ich Arabisch schreiben könne. Aber: Das ist mit Abstand das einfachste daran.

Ein großes Mysterium war für mich, welche Menschen das überhaupt studieren. Es ist kein Studium, mit dem man später besonders viel Geld verdienen kann. Und ich bin mit meinem ‚einfach mal so reinrutschen‘ eine Ausnahme. Viele Studis haben einen familiären Background, in dem sie mit Arabisch in Kontakt gekommen sind. Bei anderen geht es darum, Hintergründe politischer Geschehnisse zu verstehen.

Voraussetzungen, die ich erfüllt habe

Für Arabistik und Islamwissenschaft gibt es eigentlich einen NC. Der hat allerdings in den letzten beiden Jahren nicht gegriffen. Das heißt, alle Bewerber:innen wurden zugelassen. Man muss jedoch Englischkenntnisse auf B2 Niveau nachweisen können. Wie bereits erwähnt, sollte man natürlich für die Sprache und Kultur brennen. Ich muss aber zugeben, dass sich das bei mir erst im Laufe des Studiums voll entwickelt hat. Wichtig ist sicher, dass man sich gerne austauscht und mit anderen Standpunkten klarkommt. Denn bei uns wird viel diskutiert.

So wohne ich

Ich lebe mit meinen drei Mitbewohnerinnen in einer WG in der Eisenbahnstraße. Wir wohnen in einem sanierten Altbau mit alten Dielen, hohen Decken. Ich lieb‘s einfach.

So finanziere ich mich

Ich habe lange im Theater gearbeitet. Gerade habe ich den Job als Studienbotschafterin und bald arbeite ich noch als Hiwi (studentische Hilfskraft) bei meiner Lieblingsdozentin.

So hat sich mein Alltag durch das Studium verändert

Die größte Veränderung ist sicher, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann. Das heißt: Ich kann ausschlafen, sitze dafür aber durchaus bis 23 Uhr am Schreibtisch. Was sich sicher auch verändert hat: Ich beschäftige mich eigentlich nur noch mit Dingen, mit denen ich mich ohnehin beschäftigen würde. Das fühlt sich sehr autonom an.

So viel Zeit verbringe ich mit dem Studium

Ein Gutteil, nämlich so an die zehn Stunden pro Woche, gehen sicher fürs Lesen drauf. Mit Schreiben verbringe ich an die vier Stunden. In der Bibliothek bin ich so ungefähr sechs Stunden. Dazu kommen natürlich noch die Lehrveranstaltungen. Momentan sind das eine Vorlesung mit zwei Stunden und vier Seminare.

So habe ich Leute kennengelernt

Ich hatte total viel Glück mit meiner WG, die ich über ein Portal gefunden habe. Meine Mitbewohnerinnen sind meine engsten Freundinnen. Dann multiplizieren sich die Kontakte. Auch die ‚Eisi‘ (Eisenbahnstraße) ist ein hot spot. Man sieht sich, spricht sich irgendwann (spätestens bei der fünften Türkischen Linsensuppe) an, und kennt sich dann halt. Ein paar Leute habe ich auch über Raves und die Clubszene kennengelernt. Und wenn Corona nicht gewesen wäre, wäre der Kontakt zu den Mitstudis sicher noch intensiver, weil ich die Leute da einfach mag.

So lerne ich

Allgemein ist Arabistik und Islamwissenschaft ein Fach, in dem man sehr viel selbständig lernen muss. Man sollte sich daher gut organisieren und vor allem motivieren können. Ich bin ja leider eine Kandidatin, die gerne aufschiebt. Das ist natürlich nicht optimal. Man muss schon selber dranbleiben. Gerade für das Arabischlernen lohnt es sich, mit anderen zu lernen. Es gibt Angebote für Konversationstandems, die ich auf jeden Fall wahrnehmen würde. Nur so taucht man wirklich in die Sprache ein.

Das ist eine Herausforderung für mich

Das klingt jetzt absurd, Arabisch, immer noch. Das ist ein nie endender Lernprozess. Mein Dozent, der seit dreißig Jahren lehrt, lernt immer noch jeden Tag selber eine Stunde Vokabeln.

Damit habe ich nicht gerechnet

Es war für mich schon eine große Umstellung, von der Schule, wo mir alles vorgegeben wurde, an die Uni zu wechseln, wo ich mir erst mal meinen eigenen Stundenplan zusammenstellen, meine Zeit und Hausaufgaben selbstständig einteilen musste und ich bei Vielem ins kalte Wasser geworfen wurde. In der Arabistik und Islamwissenschaft gibt es, wie bei vielen geisteswissenschaftlichen Fächern, keinen klar definierten Stundenplan. Ich habe mich oft an ältere Studis oder auch an Mitarbeitende des Instituts gewandt, um mich durch diesen Dschungel zu kämpfen.

Ich dachte vor dem Studium außerdem, dass alle Studis ‚voll den Plan haben‘, sich gut organisieren können und wissen bei wem man was fragt; ja sogar schon ein bisschen Arabisch können. Das hat mich anfangs ziemlich verunsichert. Jetzt weiß ich, aus eigener Erfahrung, dass die wenigsten einen Plan haben und dass es durchaus üblich ist, länger zu studieren als es die Regelstudienzeit vorsieht; und dass es wichtig ist, Probleme nicht im Alleingang lösen zu wollen. Es gibt immer Ansprechpartner:innen!

Das habe ich (über mich) gelernt

Ich habe ganz, ganz viel gelernt. Zum einen natürlich eine Sprache lieben gelernt, zu der ich davor wenig Bezug hatte. Dadurch habe ich auch Musik aus dem arabischen Raum für mich entdeckt, die ich nicht kannte. Filme, Serien schaue ich inzwischen sehr oft auf Arabisch.

Auch bin ich sehr viel gereist. Ich war etwa drei Monate im Libanon, das war eine sehr krasse Erfahrung, ganz allein; zu merken, dass ich das kann, mich da selbständig durchkämpfen. Das hätte ich mir nicht zugetraut. Jetzt weiß ich, wer ich bin, was ich kann und was mir wichtig ist.

Das Coolste ist, dass meine politischen Meinungen jetzt auf Fakten basiert sind, und dass ich fundiert und reflektiert diskutieren kann.

So hat mich das Studium verändert

Ich bin viel selbstbewusster, reflektierter und offener, aber auch (selbst-)kritischer und nachdenklicher geworden.

Das hätte ich gerne vorher gewusst

Bei mir hätte es Druck rausgenommen, wenn ich nicht nach dem Abi gedacht hätte, dass ich voll den Durchblick haben muss. Nicht nur habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass man in sein Studium reinwächst, sondern dass auch die Frage nach dem ‚Danach‘, die man sich selber stellt (und auch andere im Umfeld immer stellen), gar nicht so den Ausschlag gibt. Ich bin so sehr im Studium gewachsen, habe mich so sehr verändert und weiß erst jetzt so langsam, was ich will. Außerdem habe ich festgestellt, dass, wenn ich mich proaktiv bewerbe, das erstaunlich gut klappt. Auf Praktika habe ich mich so beworben und es hat sich immer was ergeben. Man muss sich einfach kümmern, dranbleiben; vielleicht ein bisschen mehr als in anderen Fächern, wo die Perspektiven vermeintlich klarer sind.

Diese beruflichen Perspektiven habe ich

Wie bei allen Geisteswissenschaftler:innen steht mir viel offen. Arabistik und Islamwissenschaft ist vielleicht nicht das Studium, mit dem man klassisch Karriere macht und viel verdient, aber auch das ist möglich. Man kann in die Übersetzung, Forschung, Diplomatie, zu internationalen Organisationen oder NGO und in den Journalismus gehen. Und dann gibt es natürlich die ganzen Quer- und Seiteneinstiegsmöglichkeiten, die man als Student:in meist gar nicht im Blick hat. Aber ich bin immer wieder überrascht, wo Arabist:innen und Islamwissenschaftler:innen überall gefragt sind.

Diese beruflichen Erfahrungen habe ich bislang

Ich habe in Bern, während meines Bachelorstudiums, im Theater gearbeitet. In Leipzig habe ich zwei Praktika gemacht; in Organisationen, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten. Das hat mir gezeigt, was ich konkret mit meinem Studium machen kann. Bald arbeite ich als studentische Hilfskraft bei meiner liebsten Dozentin.

Das habe ich vor

Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich es noch nicht wirklich – wie übrigens die meisten bei mir im Studiengang. Viel wichtiger als ein hohes Gehalt ist mir, dass ich einen spannenden Job habe, vielleicht sogar im Ausland. Cool wäre etwas mit Übersetzen, vielleicht bleibe ich aber auch in der Forschung, sprich an der Uni.

Das würde ich heute anders machen, um das für mich passende Studienfach zu finden

Ich würde mich intensiver informieren über den Studiengang als ich das damals gemacht habe. Aus heutiger Perspektive hätte ich Angebote wie Online-Self-Assessments genutzt. Oder mich mal für ein Schnupperstudium angemeldet. Im Grunde genau das, was wir als Studienbotschafter:innen jetzt anbieten: Mal einen Tag ‚mitlaufen‘, die Uni und das Fach von innen kennenlernen, mit Studierenden sprechen. Denn nur so bekommt man einen realistischen Einblick, ein authentisches Bild vom Studium.

Das hilft mir mit Herausforderungen des Studiums umzugehen

Zum einen ein klarer Plan, sei es ein Tages-, Wochen- oder sogar Semesterplan, der mir hilft mich zu strukturieren. Zum anderen Gelassenheit. Die kommt bei mir, wenn ich mich mit Mitstudis austausche. Ich fühle mich einfach besser, wenn ich merke, dass andere auch an was zu knabbern haben.

Meine Tipps für euch

Nehmt Beratungs-, Schnupper- und Informationsangebote aller Art wahr. Sprecht mit Studierenden, probiert einen Online-Self-Assessment-Test und besucht die Uni bei Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür. Und: Studiert, worauf ihr Lust habt; ohne Rücksicht auf konkrete berufliche Aussichten. Denn wenn euch das Studium nicht interessiert, bleibt ihr nicht dran.

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