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Rechtswissenschaft

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Staatsexamen

Dr. Marcus Lau

1. Können Sie sich noch an Ihre ersten Studientage erinnern – wie war Ihr erster Eindruck von der Universität Leipzig?

Ich war etwas abgeschreckt. Ich hatte mich im Vorfeld zu wenig darüber informiert, was Studieren eigentlich heißt. Und ich war vom baulichen Zustand der Uni enttäuscht; zu meiner Zeit sah es hier – anders als jetzt – an vielen Stellen doch recht marode aus.

2. Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie Ihr Studium kurz beschreiben?

Wenn ich zurückblicke, muss ich doch sehr schmunzeln: Wie verschoben das Bild als Student von dem war, was einen dann im Arbeitsalltag tatsächlich erwartet. Wie wenig man doch wusste – selbst kurz vor dem Examen. Und dabei kam man sich doch so schlau und gebildet vor.

Insgesamt aber war es eine wunderschöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Seit ich mich mit dem Alter von 16 Jahren für das Phänomen Recht und unser Rechtssystem zu interessieren begonnen habe, hielt ich es für eine „Todsünde“, verantwortungsvolle Posten wie etwa Richterstellen, mit unerfahrenen, sozial wenig kompetenten Ausdauerlernern zu besetzen, die nie wirklich über ihren Tellerrand hinausgeschaut haben, aus ihrem mehr oder weniger behüteten Umfeld herausgekommen sind. Daher habe ich mir dann auch im Studium immer meine Freiräume geschaffen – für Freunde (fast ausschließlich Nichtjuristen) und Familie, für ehrenamtliche Engagements, für Sport, Kultur und Party. Das Studium an sich ist nicht alles, viel wichtiger erschien und erscheint mir die Persönlichkeitsentwicklung.

Natürlich wusste ich auch, dass mich am Ende ein gefürchtetes Staatsexamen erwartet und dass die dort erzielte Note mein gesamtes weiteres Berufsleben bestimmen wird. Ich war überzeugt davon, dass Jura wie Mathematik ist: Man kann es letztlich nicht lernen, sondern nur verstehen. Ich wollte daher verstehen, was Recht ist, wie Recht funktioniert. Zu diesem Zweck habe ich Unmengen gelesen. Ich habe nie für Klausuren gelernt und nur mäßig lustvoll Hausarbeiten geschrieben; denn sie „störten“ mich in meinem Konzept des Verstehens von Jura. Die ersten Noten waren daher auch entsprechend bescheiden. Aber mit zunehmender Studiendauer fügten sich die Puzzleteile langsam ineinander und ergaben für mich ein in sich im Großen und Ganzen stimmiges Bild, wie sich dann auch im Examen zeigte.

3. Haben Sie jemals an Ihrer Studienwahl gezweifelt? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Ja, das habe ich. Trübe Berichte von Praktikern, die Allgegenwärtigkeit des Themas „Geld“, erste Einblicke in die Szene und sich mehrende Berichte über Stellenknappheiten entsprachen nicht meinen Erwartungen. Ich glaubte zwischenzeitlich, dass es bereits zu viele Juristen gibt, ich einen gewissermaßen überflüssigen Studiengang gewählt habe. Das verstärkte sich, als einer meiner Brüder mit dem Medizinstudium begann. Als Mediziner kann man Menschen wirklich helfen, ich aber werde nur Jurist, dachte ich.

Letztlich war aber Jura genau das, was meinen Neigungen und Fähigkeiten entsprach, auch wenn ich mich in der Juristenszene nie wirklich wohlgefühlt habe. Im Gespräch mit Freunden konnte ich dann meine eigentlich auch zuvor schon bestandene Ansicht festigen, dass die eigenen Interessen und Neigungen maßgeblich für die Berufswahl sein sollten und nicht eine irgendwie geartete „objektive“ Bedürfnislage, Verdienstaussichten o.ä. Das hat mir geholfen, dran zu bleiben.

4. Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Jura hat mich einfach interessiert. Lange Zeit träumte ich davon, Richter zu werden als die viel gelobte Krone des juristischen Berufes. Nach dem Studium hatte ich dann durch das Referendariat einen guten Einblick in die wichtigsten juristischen Berufe und dabei jede Menge – wie ich meine: zu recht – frustrierte Richter kennengelernt. Damit war für mich das Richteramt gestorben. Am Ende habe ich denjenigen Beruf gewählt, der – aus vielfach nachvollziehbaren Gründen – das wohl geringste gesellschaftliche Ansehen genießt, es mir aber wohl am besten ermöglicht, Freude am Beruf zu haben und zu behalten: Ich bin Rechtsanwalt geworden, weil ich nur so Rechtsgebiet und Spezialisierung frei wählen konnte.

5. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?

Wichtige Stationen waren das Referendariat und die Promotion.

6. Wie sehr hat Ihr Studium Ihre jetzige berufliche Tätigkeit geprägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer Tätigkeit? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Das Studium ist essenziell; es bildet gewissermaßen das Fundament, auf dem alles ruht.

7. Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer jetzigen Position aus?

Den typischen Arbeitsalltag gibt es nicht. Je nachdem, was an Terminen ansteht, agiere ich in Besprechungen, wälze Berge von Akten, verfasse Schriftsätze, Briefe, Gutachten und Vermerke, verhandle vor Gericht, telefoniere mit Mandanten, Behörden etc. Manchmal sind auch Ortstermine wahrzunehmen und man muss sich ein Bild von den (baulichen) Gegebenheiten o.ä. verschaffen. Schon zu Weiterbildungszwecken und um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, lese ich auch sehr viel (Bücher, Fachzeitschriften, Urteile, Zeitung), nehme an Fortbildungsveranstaltungen teil bzw. halte solche. Außerdem braucht es immer wieder kreativer Akquise-Ideen; die Konkurrenz schläft nicht. Und ein intensives wissenschaftliches Engagement gehört zum Usus in unserer Kanzlei. So habe ich neben meiner Dissertation bereits ein Kompaktwerk zum Naturschutz in der Bauleitplanung verfasst, an zwei Kommentaren (zum BNatSchG und zum KrWG) mitgeschrieben und zahlreiche weitere Buchbeiträge sowie Zeitschriftenartikel (mit) verfasst. Die überwiegende Zeit sitze ich also – wie wohl die meisten Juristen – am Schreibtisch.

Da ich als Partner in einer kleineren, weil hochspezialisierten Kanzlei im Wesentlichen mein eigener Herr bin, kann ich mir die Zeit – meistens – frei einteilen. Mein Arbeitstag beginnt in der Regel um 9.00 Uhr und endet um 19.00 Uhr. Bei wichtigen und eiligen Aufträgen werden auch schon einmal Nächte durchgearbeitet oder das ansonsten freie Wochenende geopfert. Dafür kann ich mir aber oft auch spontan einfach einmal frei nehmen, z.B. wenn im Sommer das Wetter sehr schön ist, bereits kurz nach Arbeitsbeginn um 10.00 Uhr an den Badesee verschwinden. Das ist eine große Freiheit, die ich sehr genieße – meine Frau und Tochter übrigens auch.

8. Was sind die wichtigsten drei Kompetenzen in Ihrem Arbeitsalltag?

Meiner Meinung nach sind das Beharrlichkeit, ein gutes Judiz (Gefühl dafür, was rechtens ist) und Fleiß.

9. Wie gelingt Ihrer Meinung nach ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche (Einstiegswege, Bewerbungstipps, etc.)?

Das hängt maßgeblich davon ab, welchen Beruf man ausüben möchte und welche Note man in den juristischen Staatsexamina erreicht hat. Leute mit zwei mit zweistelliger Punktzahl absolvierter Staatsexamina können sich ihre Arbeitsstelle nahezu beliebig aussuchen. Da reicht eine einfache Bewerbung oder man wird sogar von potenziellen Arbeitgebern umworben.

Was speziell den Anwaltsberuf angeht, so halte ich es für extrem schwierig bis ausgeschlossen, sich vom Referendariat weg selbständig zu machen. Dazu ist der Markt zu überfüllt. Ich kenne auch niemanden, der mit diesem Weg erfolgreich gewesen ist. Das funktioniert nur bei Erschließung eines komplett neuen Marktes, wie das vor einigen Jahren in Bezug auf das IT-Recht bzw. Urheberrecht mit Bezug zum Internet der Fall gewesen ist.

10. Was würden Sie den heutigen Studienanfänger/innen mit auf den Weg geben?

Dass Jura ein Lesestudium ist. Es geht weniger darum, viel auswendig zu wissen, sondern in erster Linie darum, viel gesehen zu haben, ein gutes Judiz zu entwickeln und zu lernen, wie man sich Antworten mit Hilfe des Methodenbaukastens binnen kürzester Zeit selbst erschließt. Das verlangt eine analytische Denkweise und eben viel Erfahrung, die als Student mangels eigener Erlebnisse nur über das Lesen unzähliger Fallbeispiele, Urteile etc. erworben werden kann. Des Weiteren würde ich mit auf den Weg geben, dass das Leben sehr arm wird, wenn Jura irgendwann alles ist, was einen beschäftigt.

 

Persönliche Angaben

  • Name, Vorname: Dr. Marcus Lau
  • Geburtsjahrgang: 1978
  • Studiengang: Rechtswissenschaft
  • Jahr der Immatrikulation: 1999
  • Jahr der Exmatrikulation: 2004
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: Partner in der auf Verwaltungsrecht spezialisierten Leipziger Rechtsanwaltskanzlei Füßer & Kollegen


(Interview Stand Juni 2013)

// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.