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Sinologie

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Bachelor of Arts (B.A.)

BEWERBUNG BIS:
15. September

REGELSTUDIENZEIT:
6 Semester

LEISTUNGSPUNKTE:
180 Leistungspunkte (LP)

STUDIENBEGINN:
Wintersemester

Passendes Masterangebot

Sinologie M.A.

HINWEIS

Dieser Studiengang kann auch als Variante Bachelor Plus "Sinologie International" studiert werden. 

Judith Schildt

1. Können Sie sich noch an Ihre ersten Studientage erinnern – wie war Ihr erster Eindruck von der Universität Leipzig?

Ich erinnere mich vor allem an den Sommer, bevor ich mich immatrikuliert habe. Eine Freundin und ich verbrachten in den Ferien ein paar Tage in der Stadt. Für uns Landeier von der Ostseeküste war Leipzig die große, weite Welt. Die Studenten, die draußen vor den Kneipen im Barfußgässchen rumstanden, Bierglas in der einen, mit der anderen Hand gestikulierend, fand ich toll. So ein Studentenleben wollte ich haben! Die ersten Semesterwochen habe ich dann viel mit Töne üben im Chinesisch-Unterricht verbracht. Mandarin hält im Vergleich zum Deutschen wenig Grammatik bereit. Dafür muss man sein Gedächtnis erst einmal aufs Memorieren der vielen Schriftzeichen trainieren und vier verschiedene Silbentöne unterscheiden und aussprechen lernen. Ich bin meiner Dozentin dankbar für ihre Geduld, die sie mit mir gehabt hat.

2. Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie Ihr Studium kurz beschreiben?

Als einmalige, weidlich ausgenutzte Chance, mich mit Wissen aus Büchern, Vorlesungen, Filmen, Ausstellungen, Reisen, Sprachen und Gesprächen vollzustopfen. Mein Doktorbetreuer hat mal gesagt, dass man beim wissenschaftlichen Arbeiten bereit sein muss, sich bis zur Versklavung der Lektüre auszusetzen. Das entspricht in etwa dem, was ich im Studium hauptsächlich getan habe.

3. Haben Sie jemals an Ihrer Studienwahl gezweifelt? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Ja. Mein Magisterstudium begann ich mit zwei Hauptfächern: Sinologie und Journalistik, letztere ein Studiengang, für den ich mich hatte bewerben und ein zweistufiges Auswahlverfahren absolvieren müssen. Wenn man sich hier durchgesetzt hatte, durfte man sich „auserwählt“ fühlen. Einige Semester später gestand ich mir ein, dass dieses Fach nicht dem entsprach, worin ich mich weiterbilden wollte. Ich wechselte und nahm ein Philosophiestudium auf. Nach dem Magisterabschluss habe ich in Philosophie promoviert. Der Wechsel, seinerzeit sehr spät erfolgt, war eine 100-prozentig richtige Entscheidung. Heute würde ich kürzeren Prozess mit Aufgaben machen, von denen ich denke, dass sie mich nicht weiterbringen.

4. Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Diese Frage wird mir auch immer in Bewerbungsgesprächen gestellt. Ich bin dann ehrlich und antworte, dass ich in meiner Kindheit vermutlich zu viele asiatische Martial Arts-Filme gesehen habe und deshalb unbedingt China „in echt“ kennenlernen wollte. Meine Studienwahl war also durch Neugier, aber auch von Gesprächen mit Freunden motiviert. Letztere stärkten mir den Rücken, mir die Aufnahme des Philosophiestudiums zuzutrauen.

5. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?

Das Studium in Leipzig, klar. Der einjährige Studienaufenthalt in Shanghai zwischen Grund- und Hauptstudium. Die Promotion im Anschluss an das Magisterstudium. Regelmäßige Studien-, Forschungs- und Dienstreisen ins Ausland, vor allem nach China. Mein Berufseinstieg in einer Unternehmensberatung in Frankfurt am Main. Meine jetzige Tätigkeit bei der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bonn.

6. Wie sehr hat Ihr Studium Ihre jetzige berufliche Tätigkeit geprägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer Tätigkeit? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Heute arbeite ich für eine Stiftung, die internationale Wissenschaftler/innen zu Forschungsaufenthalten in Deutschland einlädt. Das Studium und das wissenschaftliche Arbeiten während der Promotion sind das Fundament, auf dem ich mich meinen Aufgaben gewachsen fühle. Die Dinge, die ich im Studium gelernt habe, wende ich täglich an: Analytische Fähigkeiten, Stilgefühl, interkulturelle Verständigung, Durchhaltevermögen bei der Lösung komplexer Aufgaben.

7. Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer jetzigen Position aus?

Der Alltag spielt sich meist im Büro ab und ist thematisch abwechslungsreich. Ich berate internationale Wissenschaftler/innen und Forschungsinstitute über die Fördermöglichkeiten, die meine Stiftung anbietet. Ich stehe im Kontakt mit Bundesministerien, denen ich Rechenschaft über das Geld ablege, das uns der Staat für die Durchführung von Stipendienprogrammen anvertraut hat. Das Management eines Stipendienprogramms besteht aus vielen Teilaufgaben: Marketing, Auswahlverfahren und Stipendienverleihung, Unterstützung der ausländischen Stipendiaten bei der Anreise nach Deutschland; Vertragsverhandlungen mit Kooperationspartnern, die Weiterbildungsveranstaltungen für die Stipendiaten während des Deutschlandaufenthalts organisieren ... Meine Aufgabe als Programm-Managerin ist es, die Fäden in der Hand zu behalten und die To do's mit Kollegen arbeitsteilig zu bewältigen. Darüber hinaus nehme ich verschiedene Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit asiatischen Ländern wahr, in denen die Stiftung aktiv ist. Zum Beispiel gehe ich zu Ländergesprächskreisen in Ministerien und stelle die regionalen Stiftungsaktivitäten vor. Es kommen auch Reisen mit Konferenzteilnahmen und Vortragstätigkeiten im Ausland vor, z.B. in China, Japan oder Indien.

8. Was sind die wichtigsten drei Kompetenzen in Ihrem Arbeitsalltag?

Die Bereitschaft, auf Menschen aus fremden Kulturen einzugehen. Nicht den Kopf zu verlieren über drei gleichzeitig ins Haus stehenden, zeitkritischen Aufgaben. Das Vermögen, nicht im Alleingang zu handeln, sondern sich mit den an einer Aufgabe beteiligten Personen gemeinsam auf eine Handlungsstrategie zu einigen und dann die eigene Rolle entsprechend auszuüben.

9. Wie gelingt Ihrer Meinung nach ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche (Einstiegswege, Bewerbungstipps, etc.)?

Mmh, schwierige Frage – wenn Politiker heute von einem Fachkräftemangel sprechen, meinen sie nicht unbedingt Geisteswissenschaftler und Geisteswissenschaftlerinnen, die dringend gesucht würden. Wichtig für mich war, mir in der Promotion darüber klar zu werden, was ich später alles nicht (mehr) will. Deshalb war es kein Drama, nach der Verteidigung der Doktorarbeit aus dem Wissenschaftsbetrieb auszusteigen. Mein Berufseinstieg selbst war dem berühmten Zufall geschuldet. Eine Bekannte einer Freundin von wiederum einer meiner Freundinnen hat ein Angebot ihres früheren Arbeitgebers per Mail weitergeleitet. Ich habe davon erfahren, mich in Frankfurt beworben und die Stelle bekommen. Das war mein Einstieg als Assistentin der Geschäftsführung für den Bereich Greater China. In diesem Sinne, liebe Leser und Leserinnen: lernt Kuchenbacken und pflegt Eure Freundschaften.

10. Was würden Sie den heutigen Studienanfänger/innen mit auf den Weg geben?

Im Leben weiterzukommen verlangt oft, sich in die Lage eines anderen zu versetzen und dessen Perspektive nachzuvollziehen. Um das zu schaffen, hilft mir die Sichtweise von Gottfried Wilhelm Leibniz. Leibniz ist ein Philosoph, der im 17. Jahrhundert lebte. Im Buch „Monadologie“ schreibt er: „[W]ie dieselbe Stadt von unterschiedlichen Seiten betrachtet als eine andere erscheint und wie perspektivisch vervielfältigt ist, so geschieht es (...), dass es ebenso viele unterschiedliche Universen gibt, die gleichwohl nur die Perspektiven eines einzigen sind, je nach den verschiedenen Gesichtspunkten“ jedes einzelnen.

Persönliche Angaben

  • Name: Judith Schildt
  • Studiengang: Sinologie (1. Hauptfach), Philosophie (2. Hauptfach)
  • Jahr der Immatrikulation: 1996
  • Jahr der Exmatrikulation: 2004
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: Alexander von Humboldt-Stiftung/ Referentin im Asien-Referat

(Interview Stand Juni 2013)

// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.