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Translation (Übersetzen/Dolmetschen)

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Bachelor of Arts (B.A.)

Stefanie Gisela Maile

1. Warum haben Sie damals in Leipzig Ihr Studium begonnen?

Eine Freundin studierte damals in Jena und legte mir mit Leipzig eine der alten Ost-Universitäten ans Herz, dort würde ich sehr gut ausgebildet werden. Ich konnte mir erst gar nicht vorstellen, dass in den neuen Bundesländern, in denen vorzugsweise Russisch und andere slawische Sprachen unterrichtet worden waren, es tatsächlich eine solch gute Ausbildungsstätte für westeuropäische Sprachen wie Englisch und Französisch geben sollte. Das klingt jetzt vorurteilsbehaftet, aber tatsächlich war ich einfach nur unwissend: Ich wusste kaum etwas über die ehemalige DDR und die hervorragende Ausbildung an der Uni Leipzig, ich kannte diesen Teil Deutschlands so gut wie gar nicht. Deswegen hat es mich im Laufe meiner Leipziger Zeit auch immer wieder so sehr erstaunt und fasziniert, wieviel mehr die Ostdeutschen über Geschichte, Geographie und regionale Besonderheiten des Westens wissen als andersherum.

2. Wie würden Sie Ihr Studium zusammenfassen?

Sehr fordernd, aber auch höchst informativ; Leipzig und die Universität empfinde ich als einen wahren Quell des Wissens.

Am besten gefiel mir die Praxisnähe: Jeder Dozent, egal ob beim Übersetzen oder beim Dolmetschen, machte uns von der ersten Sekunde an klar, dass unser Beruf einer der anstrengendsten ist, aber dafür auch einer der interessantesten, denn mit jedem neuen Text, mit jeder neuen mündlichen Präsentation tauchen wir in einen völlig neuen Bereich der Arbeitswelt ein: Ob juristische Verträge, technische Bedienungsanleitungen, schöngeistige Literatur, Werbetexte, Vorträge, Kochrezepte oder Konferenzunterlagen - es gab nichts, worauf wir nicht vorbereitet worden wären. Diese umfassende realistische Vorbereitung auf die Arbeitswelt ist etwas, wofür ich jedem einzelnen meiner Dozenten heute noch sehr dankbar bin. Auch wenn ich manchmal im Inneren geflucht habe, zum Beispiel wenn wir in Spanisch vom Blatt gedolmetscht haben. Ich habe es manchmal wirklich gehasst, aber heute bin ich bei jedem Einsatz bei Gericht und auf den Ämtern froh und dankbar, dass Frau Dr. Krüger damals darauf bestand und es uns immer wieder aufs Neue hat üben lassen. Ich hätte nie gedacht, dass es mir später tatsächlich so viel nutzen würde!

3. Können Sie sich vielleicht noch an Ihre Immatrikulation und Ihren ersten Eindruck von der Universität Leipzig erinnern?

Als ich im Oktober 1997 nach Leipzig an die Universität kam, waren das ISÜW, das Institut für Sprach- und Übersetzungswissenschaft, und das Prüfungsamt noch im sogenannten „Weisheitszahn“ untergebracht, direkt am Campus am Augustusplatz: Das dreieckige hohe Gebäude mit seiner einseitig hochgezogene Dachspitze sieht tatsächlich von Weitem ein bisschen wie ein aufragender Zahn aus. Ich fand es damals sehr verwirrend, mir so viele Räume auf den unzähligen Stockwerken sowie sämtliche Zuständigkeiten, Öffnungszeiten und Namen der Dozenten, Universitätsangestellten und des Dekans merken zu müssen. Daher fand ich es sehr viel übersichtlicher, als das Institut (dann unter dem Namen Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie) mit den anderen Instituten der Fakultät in das Interimsgebäude am Brühl umzog. Inzwischen sind Institute der Philologischen Fakultät in der Beethovenstraße angesiedelt, gleich gegenüber der Albertina-Bibliothek.

Die Immatrikulation fand im Studentensekretariat in der Goethestraße statt. Dort waren auch die Jobvermittlung für Studenten, das BAFöG-Amt, das Büro, das für die Wohnheimplätze zuständig war, untergebracht und sämtliche Wandflächen waren kunterbunt zugepflastert mit Kleinanzeigen.

4. Können Sie uns Ihren beruflichen Werdegang kurz skizzieren?

Nach dem Abitur 1992 war ich ein Jahr auf einer kaufmännischen Berufsschule, zur Vorbereitung auf das Studium zum Diplom-Kulturwirt in Passau, das damals neu angeboten wurde. Ich änderte allerdings meine Meinung während des Jahres und bewarb mich im Frühjahr 1993 für eine Banklehre bei der Vereinsbank AG in Stuttgart. Ich bekam einen Ausbildungsplatz, allerdings erst für August 1994 und so nutzte ich das Jahr dazwischen für ein (absolut geniales!!) Aupair-Jahr in London.

Die Banklehre war hochinteressant und verlief sehr gut; ich machte den IHK-Abschluss im Sommer 1996 und wurde als Angestellte übernommen. Doch während ich als Bankberaterin zu arbeiten begann, empfand ich diesen Beruf zunehmend als mich persönlich einengend und stupide, weil die Abläufe jeden Tag exakt die gleichen und auf die Minute genau vorhersehbar waren.

Deswegen kündigte ich und begann das Studium zum Diplom-Dolmetscher 1997 in Leipzig. Das Studienjahr 1999/2000 verbrachte ich in Salamanca und bis zum Sommer 2003 waren die Diplomprüfungen abgelegt. Im Dezember 2003 ging ich nach Esslingen am Neckar, zur Firma J. Eberspächer GmbH, um dort ein 9-monatiges Praktikum für die Diplomarbeit zu absolvieren. Die Diplomarbeit war 2005 fertig, ich bekam das Diplomzeugnis und machte mich noch im gleichen Jahr selbständig, weil ich eigenständiges Arbeiten lieber mag und gern mein eigener Chef sein wollte.

5. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrer jetzigen Tätigkeit und Ihrem Studium? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Meine jetzige Tätigkeit ist im Prinzip genau die gleiche wie während des Studiums, nur heute erweitert um zusätzlich erworbenes Wissen:

Ich bin immer noch Dolmetscher und Übersetzer für Englisch und Spanisch, mittlerweile auch beeidigter Verhandlungsdolmetscher und Urkundenübersetzer für beide Sprachen. Ich dolmetsche hauptsächlich auf Veranstaltungen von Wirtschaft und Industrie, auch Werksführungen und Mitarbeiterschulungen, und beim Übersetzen hat sich im Laufe der Zeit meine alte Liebe zu den Immobilien durchgesetzt, sodass ich heute fast ausschließlich im Bereich Hochbau/Architektur/Immobilienwirtschaft übersetze.

Des Weiteren habe ich mich als zertifizierter Sprachdozent weitergebildet und unterrichte beide Arbeitssprachen, sowohl in Firmen als auch für Privatpersonen.

6. Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen, die Ihren beruflichen Werdegang besonders geprägt haben?

Ich habe in den Sommersemesterferien immer gejobbt und da gab es jedes Mal viele Personen, die ich vom Typ her auf gar keinen Fall später mal als Chef haben müssen wollte! So entstand schon sehr früh der Gedanke an die Selbständigkeit.

Außerdem rieten mir auch eine Dozentin und eine langjährig erfahrene (spätere) Kollegin dazu; sie beide sahen unabhängig voneinander, dass ich das können würde, auch wenn ich mir selbst oft unsicher war, ob ich das wirklich schaffe.

Heute, im Rückblick, staune ich darüber, wie früh die beiden das damals schon richtig eingeschätzt hatten.

7. Gab es Umstände im Studienbetrieb, die Sie im Nachhinein für verbesserungswürdig halten?

Dazu kann ich nichts sagen, denn ich habe mich ehrlich gesagt mehr um das Studium als solches gekümmert als um den Studienbetrieb insgesamt. Aber ich erinnere mich daran, dass ich mit den zum Teil strikten Vorgaben (z.B. in der Prüfungsordnung) besser zurecht kam als die anderen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es in der Bank noch viel striktere Vorschriften gegeben hatte und ich daher daran gewöhnt war.

8. Welche Methoden haben Sie angewendet, um Prüfungsangst zu überwinden?

Das klingt jetzt vielleicht verrückt, aber ich habe solange gelernt und wiederholt, bis ich es fast auswendig konnte. So war ich mir sicher das Richtige antworten zu können. Und das hat dann auch gut funktioniert. Allerdings nur in Kombination mit viel Schlaf, viel Trinken und viel frischer Luft. Sonst wird man ja irre.

Für mehrtägige Dolmetscheinsätze mache ich das übrigens heute noch genauso, weil es sich für mich gut bewährt hat.

9. Was verbindet Sie heute mit der Universität Leipzig?

Leider mehr Erinnerung als aktive Teilnahme an den weiterhin hochinteressanten Seminaren und Vorlesungen (was ich so übers Internet mit verfolge), sowie den kulturellen Einrichtungen und der Studentenszene. Ich sage nur: MB! Aber ich sorge dafür, dass ich immer mal wieder die Alma Mater besuche, zur Buchmesse zum Beispiel. Sonst fehlt mir einfach was, denn ich habe mich an der Uni sehr wohl gefühlt und auch die Stadt Leipzig ist mir dermaßen ans Herz gewachsen, dass ich immer wieder sehr gern hierher zurückkomme.

10. Was würden Sie den heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?

1) Nehmt alles an Wissen und technischem Know-how mit, das angeboten wird:

Je mehr „Fähigkeiten und Fertigkeiten“ ihr mitnehmt, desto leichter fällt euch nachher der Job, weil ihr euch dann sehr gut auskennt und somit schnell einen guten Einstieg schafft.

Macht alle Seminare und sonstigen Kurse am IALT, wenn es nur irgend geht - später könnt ihr das Wissen zwar auch noch erlernen, aber es kostet euch dann unnötig Geld und Zeit. Erfahrung kommt ja erst mit der Zeit, euer Wissen ist am Anfang euer einziges Kapital.

2) Nutzt eure Zeit im Studium unbedingt für das Knüpfen und Festigen von Kontakten:

Je besser vernetzt ihr untereinander seid, umso leichter kommt ihr später an Aufträge, besonders in den ersten zwei/drei Jahren, bis ihr euch als Selbständige auf dem freien Markt einen Namen gemacht habt. Und wenn ihr lieber angestellt arbeiten wollt, auch gut: Auch hier sind Kontakte und untereinander ausgetauschte Informationen oft bares Geld wert. Oder ihr findet dadurch eure Traumstelle, das ist fast noch wichtiger - euer Job soll euch ja auch Spaß machen!

3) Seid euch darüber im Klaren, dass das Lernen nie aufhören wird:

Oder ermutigend formuliert: Das vielzitierte lebenslange Lernen bietet gerade in unserem Beruf unbegrenzte Möglichkeiten der persönlichen Orientierung und Ausprägung. Wir können immer wieder neu entscheiden, wie wir unseren Job machen wollen. Es ist immer spannend, denn es gibt immer wieder Neues zu erfahren und zu lernen (neue Technologien, neue Fachgebiete, etc.) und wenn ihr euch diese Neugier, diese Lernbereitschaft aus dem Studium erhaltet, dann kommen Erfahrung und Erfolg (fast) von ganz allein. 

Persönliche Angaben: 

  • Name: Stefanie Gisela Maile
  • Geburtsjahr: 1972
  • Studiengang: Diplom-Dolmetscher für Englisch und Spanisch
  • Jahr der Immatrikulation: 1997
  • Jahr der Exmatrikulation: 2003
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: selbständiger Dolmetscher, Übersetzer und Sprachdozent in Esslingen am Neckar

(Interview Stand Juni 2013)

// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.