Unsere Studienbotschafterin Natalie hat gegen Ende ihrer Schulzeit gemerkt, dass sie gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitet. Heute studiert sie Gymnasiallehramt für die Fächer Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft.

In meiner Schulzeit habe ich viel Zeit mit politischen AGs und der Schüler:innenvertretung verbracht. Da habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeite. Ich habe mich einfach am richtigen Platz gefühlt.

Studienbotschafterin Natalie, Deutsch, Geschichte und GRW Lehramt
Studienbotschafterin Natalie lächelt beim Gespräch auf dem Campus, die Sonne scheint im Hintergrund, Foto: Christian Hüller
Studienbotschafterin Natalie, Foto: Christian Hüller

Mein Steckbrief

Mein Weg zum Studium

Mein Weg zum Studium war sehr gradlinig: Ich habe 2021 mein Abitur in Oldenburg gemacht und im Wintersemester 2021/22 angefangen zu studieren.

Meine Entscheidung für Deutsch, Geschichte und GRW

In meiner Schulzeit habe ich viel Zeit mit politischen AGs und der Schüler:innenvertretung verbracht. In dieser Zeit habe ich viel vor und mit Menschen, vor allem mit Schüler:innen, gesprochen. Ich habe dabei schnell gemerkt, dass ich gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeite. Ich kann gar nicht genau sagen warum, ich habe mich einfach am richtigen Platz gefühlt. Ein Lehramtsstudium hatte ich daher schon seit einiger Zeit im Blick.

Die für mich schwierigere Frage war: Welche Fächer sollen es denn werden?

  • Geschichte kann ich mit schlichtem Interesse und mit guten Noten im Abitur begründen.
  • Bei Deutsch sah das etwas anders aus: Ich saß im Grundkurs Deutsch und ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass ich zum oberen Mittelfeld gehört hätte. Zugefallen ist es mir sicherlich nicht, vor allem in Hinblick auf die Klausuren. In den tiefsten Corona-Zeiten war aber Literatur mein Lichtblick. Da hab ich Feuer gefangen. Nach dem ersten Semester in Deutsch hatte ich trotzdem starke Zweifel, ob Deutsch wirklich das richtige für mich ist. Dann kam das zweite Semester und es war um mich geschehen.
  • Dieses Wintersemester habe ich nun auch mit dem Lehramtserweiterungsfach Gemeinschaftskunde/Recht/Wirtschaft, kurz GRW, angefangen. Politik hat mir das Jahr über einfach gefehlt.

Meine Entscheidung für Leipzig

Für mich stand schon früh fest, dass ich (zumindest für eine bestimmte Zeit) raus aus meinem Dorf in der Nähe von Oldenburg möchte. Ich wollte mich nach dem Coronatiefschlaf der letzten Jahre herausfordern. Leipzig bot mir dafür eine gute Gelegenheit. Ich war schon zuvor zweimal kurz da und fand die Stadt einfach schön: die unterschiedlichen und alternativen Viertel, das große kulturelle Angebot. Ich fühlte mich direkt wohl. Dass die Mieten hier erschwinglich sind und ich, ohne umzusteigen mit dem IC nach Hause fahren kann, kam on top. Auch nach einem Jahr freue ich mich immer noch sehr, hier leben zu dürfen. Alles ist mit dem Rad gut erreichbar, alternative Clubs und Bars, Flohmärkte, Museen und Möglichkeiten gibt es so weit das Auge reicht. 

Deutsch, Geschichte und GRW – das ist für mich

Für mich bilden die Fächer eine Trias aus „das, was war“, „das, was ist“ und „wie wird das dargestellt und kommuniziert“. Ich bekomme einen Einblick, wie Menschen gedacht und gehandelt haben, wie das gemeinschaftliche Zusammenleben organisiert ist und wie all das im Laufe der Zeit sich verändert hat und immer noch verändert. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Möglichkeitsbewusstsein und Verständnis mit jedem Semester erweitert.

Am spannendsten fand ich bisher

Vermutlich eines meiner letzten Geschichtsseminare. In dem ging es um Zeitgeschichte und Erinnerungskultur am Beispiel der öffentlichen Erinnerung an den Nationalsozialismus in Leipzig. Wir haben uns an verschiedenen Orten in Leipzig getroffen und dort Denkmäler und Gedenkstätten analysiert und hinterfragt. Das alles war in einen theoretischen Rahmen rund um Zeitgeschichte und Geschichtskultur eingebettet. Dabei ging es um Fragen wie: „Welcher Teil der Vergangenheit wird von dem Denkmal dargestellt?“, „Wie wird diese Vergangenheit präsentiert? Würden wir auch heute noch so darstellen?“ oder auch: „Was sagt dieses Denkmal über die dazugehörende Gesellschaft aus?“.

So hat sich mein Bild von Deutsch, Geschichte und GRW geändert

Es ist um einiges differenzierter geworden! In der Schule habe ich zum Beispiel mit Deutsch vor allem Literatur verbunden. Das war der eindeutige Schwerpunkt meiner letzten Schuljahre. An der Uni sieht das anders aus. Hier besteht das Studium zur einen Hälfte aus Sprachwissenschaften (Grammatik, Dialektforschung, Bedeutung von Wörtern, …) und zur anderen aus Literaturwissenschaft (Erzähltheorien, Epochen, Gattungen, Neuere und Ältere deutsche Literatur). In Geschichte stimmte meine Vorstellung vom Studium mit der Realität ziemlich überein: viel Lesen, Zusammenhänge verstehen, Quellenarbeit – übrigens: keine Jahreszahlen-Paukerei!

Voraussetzungen, die ich erfüllt habe

  • Zu den formalen Voraussetzungen gehörte, dass ich einen bestimmten NC erfüllen musste. Der sogenannte Numerus clausus (NC) gibt an, bis zu welcher Abiturdurchschnittsnote Studierende im vorigen Semester zugelassen wurden. Der lag zum Beispiel bei GRW für Gymnasiallehramt bei 1,5, bei Deutsch für Gymnasiallehramt bei 2,9.
  • Außerdem musste ich ein phoniatrisches Gutachten einreichen, das mir die stimmliche Eignung für den Lehramtsberuf bescheinigt. Dafür habe ich einfach im Internet geschaut, welcher HNO-Arzt bei mir in der Nähe ein solches Gutachten ausstellen kann. Für das Gutachten muss man ca. 100 Euro einplanen. Es kommen also schon vor Studienbeginn Kosten auf einen zu.
  • Zu guter Letzt sollte man natürlich auch Freude an der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen mitbringen; außerdem Interesse und Leidenschaft für die eigenen Fächer sowie Durchhaltevermögen!
  • Es gab allerdings auch eine Voraussetzung, die ich nicht erfüllt habe: Lateinkenntnisse. Das geht einigen so und es ist auch kein Drama. Bis zum Staatsexamen hat man im Lehramt Zeit, die fehlenden Sprachkenntnisse nachzuholen. Ich habe das Latinum direkt in meinen ersten zwei Semestern nachgeholt und kann auch nur jeder Person empfehlen, das so früh wie möglich hinter sich zu bringen!  

So wohne ich

Ich wohne zusammen mit meinen zwei Mitbewohnerinnen in einer WG im Zentrum Süd. Ich bin super dankbar, dass ich eine so großartige WG gefunden habe. Wir essen gerne zusammen, besuchen Flohmärkte, machen Küchen- oder auch Bar-Abende. Die WG ist zu meinem zweiten Zuhause geworden. Mein Zimmer ist zwar nur elfeinhalb Quadratmeter groß, aber ich würde sagen, ich habe es mir ganz gemütlich eingerichtet. Ich bin sowieso gerne in der Küche und – sofern es das Wetter zulässt – auf unserem Balkon.

So finanziere ich mich

Ich arbeite neben dem Studium als Studienbotschafterin, meine Familie unterstützt mich und ich befinde mich gerade im BAFöG-Antrags-Chaos.

So hat sich mein Alltag durch das Studium verändert

Da sich Corona fast über meine ganze Qualifikationsphase erstreckt hat, habe ich notgedrungen schon in der Schulzeit einen Einblick ins freie Arbeiten und eine freie Zeiteinteilung bekommen. Im Studium erreicht das sicherlich noch einmal andere Ausmaße, da es einem ja frei steht, zu Veranstaltungen hinzugehen oder nicht hinzugehen. Was sich sehr verändert hat, ist das Maß an Eigenverantwortung, das ich trage.

So viel Zeit verbringe ich mit dem Studium

Da kommt schon gut was zusammen, aber auch das variiert, je nachdem, wo ich mich im Semester befinde. Zu Beginn ist es sicherlich weniger als gegen Ende. Ich habe jedes Semester so um die 12 Veranstaltungen à 90 Minuten, die ich (im Idealfall) vor- und nachbereite. Daneben geht vor allem fürs Lesen viel Zeit drauf. Über zu wenig Arbeit und Stress kann ich mich nicht beklagen.   

So habe ich Leute kennengelernt

Ich habe die meisten Leute ganz klassisch in der Einführungswoche kennengelernt. Ich bin in der ersten Uni-Woche mit so vielen neuen Menschen in Kontakt gekommen, dass es mir danach gar nicht mehr schwergefallen ist, Menschen in meinen Seminaren und Übungen anzusprechen. Bis jetzt hat es sich immer gelohnt und der Kreis an Menschen, die man kennt und mag, erweitert sich mit jedem Semester!

So lerne ich

Am liebsten lerne ich zusammen mit Kommiliton:innen in der Bibliothek. Das Lernen fällt leichter, die Pausen sind schöner (meistens aber auch länger) und wenn eine Person Fragen hat, sind die anderen nicht weit. Lernen schweißt übrigens auch zusammen und ist daher eine gute Möglichkeit mit Menschen enger in Kontakt zu kommen!

Das ist eine Herausforderung für mich

Definitiv: abzuwägen und zu priorisieren! Jedes Semester bringt lernintensive Phasen mit sich, in denen man auch mal einen Seminartext nicht lesen und die ein oder andere Veranstaltung auslassen könnte. Zu entscheiden, ob sich das für mich lohnt oder nicht, ist für mich sehr herausfordernd.

Damit habe ich nicht gerechnet

Die Informationsdichte und das Tempo sind definitiv gewöhnungsbedürftig! Vor allem in den ersten Wochen kann das überfordernd sein. Schon nach einigen Wochen aber hatte ich mich daran gewöhnt. Womit ich ebenfalls nicht gerechnet habe, ist, dass das akademische Umfeld mich als Arbeiter:innenkind manchmal denken lässt, ich wäre ein Elefant im Porzellanladen. Dieses Gefühl wird zunehmend weniger, aber vor allem im ersten Semester – wo scheinbar alle wissen, wo sie hinmüssen, was ‚Kommilitoninnen‘ sind und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zur Universität gehen – haben mich solche Gedanken immer wieder eingeholt. Aber: Austausch über Erfahrungen wirkt Wunder!

Das habe ich (über mich) gelernt

Es ist banal, aber ich hatte nach der Schule nicht auf dem Schirm, dass ich teilweise mit aberhundert Menschen in einem Hörsaal sitze, die sich alle für das Gleiche begeistern können und die für ihre Familien und Freund:innen alle die einzigen sind, die sich für Literatur, für Sprache, für Geschichte interessieren. Mein Studium nimmt zwar einen großen Platz in meinem Leben ein, aber ich habe auch gelernt, mich nicht als Person komplett durch das Studium definieren zu lassen!

So hat mich das Studium verändert

Ich gehe mit offeneren Augen durch die Welt! An der Uni wurde ich mit so vielen Problemen und Möglichkeiten konfrontiert, dass sich mein Blick fast schon zwangsläufig geweitet hat. Ich habe auch das Gefühl, dass ich viel analytischer denke.

Das hätte ich gerne vorher gewusst

Wie anstrengend studieren sein kann und wie viel Eigenverantwortung es bedarf. Ich hatte definitiv ein zu entspanntes Bild vom Studi-Leben. Auch dachte ich, im Studium würde ich Antworten bekommen. Nach zwei Semestern würde ich sagen, dass ich zwar mehr und mehr verstehen kann, aber eigentlich nur die Fragen (und nicht die Antworten) mehr werden.

Diese beruflichen Perspektiven habe ich

Lehramt studiere ich, wie die allermeisten wohl, mit der Perspektive, Lehrerin zu werden. Theoretisch könnte ich aber auch mit meinem Studium an der Uni bleiben und in die Forschung gehen oder noch etwas anderes studieren. Auch der Weg in ‚die freie Wirtschaft‘ ist natürlich nicht ausgeschlossen.

Diese beruflichen Erfahrungen habe ich bislang

Noch sieht es hier ziemlich leer aus. Allerdings habe ich im März 2023 mein erstes Blockpraktikum.

Das habe ich vor

Nach der Ausbildung (ich hab noch gut fünf Jahre Studium und nicht ganz zwei Jahre Referendariat vor mir) möchte ich als Lehrerin an einer Schule, gerne auf dem Land, arbeiten und mich mit meiner Berufswahl wohlfühlen.

Das würde ich heute anders machen, um das für mich passende Studienfach zu finden

Rückblickend hätte ich gerne ähnliche Angebote wie das, das wir als Studienbotschafter:innen anbieten, genutzt. Vor allem da bei mir das, was ich in der Schule gut konnte, und das, was mich auch in meiner Freizeit rumgetrieben hat, nicht identisch waren.

Ansonsten kann ich nur jede Person dazu ermutigen, ein Gasthörstudium (bzw. an manchen Unis möglich: ein Probe- oder Schnupperstudium) anzufangen. Bei einem Gasthörstudium kann man sich (als Schüler:in sogar kostenlos) in Veranstaltungen der Uni reinsetzen. Wenn man möchte, kann man sogar Prüfungen ablegen, die dann später anerkannt werden. Ich habe in diesem Rahmen im Wintersemester 2019/20 eine Vorlesung über Psychologie für Lehramtsstudierende und eine Vorlesung in Philosophie an der Universität Oldenburg besucht. Das Ergebnis war: Philosophie? Danke, aber das ist nichts für mich! Solche Angebote gibt es übrigens an vielen Universitäten, auch an der Universität Leipzig.

Das hilft mir mit Herausforderungen des Studiums umzugehen

Natürlich Freund:innen und Komiliton:innen, aber auch Gespräche mit der Oma à la „in 20 Jahren wirst du dich an diese Prüfung nicht mehr erinnern“.

Meine Tipps für euch

Seid offen und macht euch keine Gedanken, wenn ihr mal 'fünfe gerade sein lasst'. Geht raus, geht unter Leute, erkundigt die Stadt und entdeckt neue Seiten an euch!

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