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Informatik

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Bachelor of Science (B.Sc.)

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Informatik M.Sc.

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BEWERBUNG BIS:
15. Juli

REGELSTUDIENZEIT:
6 Semester

LEISTUNGSPUNKTE:
180 Leistungspunkte (LP)

STUDIENBEGINN:
Wintersemester

Alexander I. Kovács

1. Warum haben Sie damals in Leipzig Ihr Studium begonnen?

Das war bei mir einfach: Ich bin in Leipzig geboren, habe immer in Leipzig gewohnt und die Uni bot den Studiengang an, den ich mir ausgesucht hatte (Informatik).  Da ich so bei meinen Eltern wohnen konnte, musste ich auch keine Nebenjobs annehmen, um mein Studium zu finanzieren, sondern konnte mich voll auf das Lernen konzentrieren.  

2. Wie würden Sie Ihr Studium zusammenfassen?

Alles in allem ziehe ich ein positives Fazit.  Ich hatte mir als Nebenfach Japanologie ausgesucht, welches aufgrund der Sprache sehr aufwendig ist. Am Ende habe ich vermutlich gleich viel oder sogar mehr Zeit in dieses Fach investiert als die Informatik, welche ich im Diplom studierte.  Ich habe mein Studium sehr ernst genommen, sehr viel gelesen und die Hausaufgaben immer komplett erledigt.  Am Ende habe ich einen dem entsprechenden sehr guten Abscluss gemacht. Ich habe allerdings nie des Abschlusses oder der Noten wegen studiert, sondern aus reinem Interesse an den Inhalten. Daher hatte ich am Ende glaube ich fast doppelt so viele Scheine wie laut Studienordung erforderlich. Man könnte sage, ich hätte etwas "leaner" studieren können (gleiches Ergebnis, mit weniger Aufwand), aber ich bereue es nicht.

3. Können Sie sich vielleicht noch an Ihre Immatrikulation und Ihren ersten Eindruck von der Universität Leipzig erinnern?

Ja. Ich war das Jahr vor der Uni in den Staaten (als AuPair) und habe dort ein wenig vom Uni-Leben mitbekommen, da wir in der Nähe der Rutgers University gewohnt haben und auch Princeton nicht weit war.  Mein erster Eindruck von der Uni Leipzig war, dass sie im Vergleich zu den Unis in Amerika eher langweilig und trostlos ist. Es gibt keinen weitläufigen Campus (mit Verbindungshäusern und Studentenwohnheimen) und es fehlte die typische Uni-Atmosphere. Ja, nicht einmal eine richtige Immatrikulationsfeier gab es (und eine Abschlussfeier später auch nicht - natürlich wurde zu einer eingeladen, nur da jeder zu einem anderen Zeitpunkt fertig ist, passt das halt dann nicht immer zeitlich). Ich habe das ganze Studium nie wirklich einen Bezug und auch nie ein richtiges Zugehörigkeitsgefühl zur Uni entwickelt. 

Zur Zeit meiner Immatrikulation gab es an der Uni Leipzig noch keine T-Shirts und Baseballmützen mit Uni-Logo, so dass ich mir in Amerika eine "U of L" (University of Leipzig) Mütze machen ließ (richtig bestickt nach meiner Vorlage) und die dann auch in Leipzig trug. Meine Umgebung fand das aber wohl eher exotisch.

Als ich dann nach dem Grundstundium für ein Jahr nach Japan ging um an der Waseda University in Tokio Japanisch zu studieren, habe ich dort genau dasselbe Bild vorgefunden wie in Amerika. In dem Jahr habe ich wohl ein viel größere Bindung zur Waseda aufgebaut als jemals zur Alma Mater Lipsiensis.

4. Können Sie uns Ihren beruflichen Werdegang kurz skizzieren?

Nach meinem Abschluss in Leipzig (2003) bin ich direkt an die Graduate University for Advanced Studies in Japan gegangen, um mich am National Institute for Informatics (NII), welches der Uni angegliedert ist, zu promovieren. Die Promotion habe ich nach über drei Jahren leider erfolglos abgebrochen. Der Hauptgrund war die fehlende inhaltliche Führung meines Professors. Er war eher der Praktiker und ich eher der Theoretiker und das hat am Ende nicht mehr zusammengepasst. Während dieser Zeit habe ich meine japanische Frau Mami geheiratet (2004), die ich an der Waseda kennen gelernt hatte, und unsere Tochter Alicia kam auf die Welt (2006). Als Beamte in Japan konnte meine Frau drei Jahre Erziehungsurlaub nehmen und wir entschlossen uns, die Zeit in Deutschland zu verbringen. 

Ich fand schnell einen Job in der IT der Nutzfahrzeugsparte der Daimler AG (damals noch DaimlerChrysler) in Stuttgart, die perfekt auf mein Profil passte.  Gesucht war ein Informatiker der Deutsch, Englisch und Japanisch spricht, da die Nutzfahrzeugsparte sehr international aufgestellt ist. Ich war im Team "Global Rollout“ wo ich mich mit der weltweiten Einführung von Systemen befasste und daher auch recht viel an den Standorten in Amerika und Japan unterwegs war. 

Ich schreibe Job (und nicht Stelle), da ich zunächst als Externer beim Daimler arbeitete. Angestellt war ich bei einer kleinen Beratungsfirma. Ich bin dann recht zügig zur Daimler Protics (einer 100%-Tochter) und schließlich in den Mutterkonzern gewechselt. Es ist allgemein bekannt, dass man sich beruflich am schnellsten durch Firmenwechsel entwickeln kann und so war das auch bei mir. Das Gute bei mir war allerdings, dass ich trotz der Wechsel nie die Projekte verlassen habe, in denen ich arbeitete.

Als dann der Erziehungsurlaub meiner Frau zu Ende ging (2009) und klar war, dass sie in ihren alten Beruf zurück wollte, habe ich zur japanischen Tochter Mitsubishi FUSO Truck & Bus Coorporation gewechselt, wo ich heute als Führungskraft ein Team direkt unter dem CIO leite.

5. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrer jetzigen Tätigkeit und Ihrem Studium? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?

Jein.  Da ich als studierter Informatiker mit Japanischkenntnissen in der IT eines japanische Unternehmens mit Zugehörigkeit zu einem deutschen Konzern arbeite besteht natürlich schon ein Zusammenhang.  Nur, das was ich hier mache, hat mit den direkten Studieninhalten rein gar nichts zu tun.  Mein Team ist für IT-Finanz- und Mitarbeiterplanung, IT-Strategie, IT-Compliance, Governance und Risikomanagement sowie IT-Prozessharmonisierung zuständig, rein gar nichts davon habe ich an der Uni gelernt. 

Was ich aber an der Uni gelernt habe und was mir heute extrem hilft, ist die Fähigkeit mich selbst zu organisieren und zu motivieren, mich schnell in komplexe Zusammenhänge reinzudenken, und mir schwierige Aufgabenstellungen so zu strukturieren, dass ich sie handhaben kann.

6. Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen, die Ihren beruflichen Werdegang besonders geprägt haben?

Eine Person, die mich ausgesprochen geprägt hat war Larry, mein Gastvater zu meiner Zeit als AuPair in Amerika. Von ihm habe ich mein Interesse an den Beatles und meinen Wissensdurst "geerbt" (oder hatte ich den schon vorher?). Es war zu der Zeit, dass ich anfing extrem viel zu lesen, besonders allgemeinwissenschaftliche Literatur. Indirekt hat das meine Werdegang insofern beeinflusst, als dass ich meinen guten Uniabschluss mit meinem vielen Lesen in Verbindung bringe.

Ansonsten sind eigentlich alle Schlüsselpunkte in meiner Entwicklung auf Zufälle zurückzuführen. Das DAAD-Stipendium für Japan welches ich nach einer Absage nur bekam, weil jemand anderes zurückgetreten war; das Praktikum bei JP Morgan (Investmentbank) welches nicht wie gedacht in Frankfurt stattfand, sondern in London, weil dort gerade Informatiker gefragt waren, und welches ich dann noch für zwei Monate in Japan verlängert bekam; die Promotionsstelle die ich bekam, obwohl ich für die Anfertigung meiner Bewerbung (inkl. Vorschlag für Forschungsthema!) nur ein paar Tage Zeit hatte, weil ich erst kurz vor Einsendeschluss davon erfuhr; die Stellenausschreibung der kleinen Beraterfirma für den dreisprachigen Informatiker "bei einem süddeutschen Autobauer" die ich auf einer Mailingliste las, gerade als ich mit dem Gedanken spielte die Promotion hinzuschmeißen; die Arbeit für meinen ersten Teamleiter beim Daimler von dem ich gelernt habe, wie man "sauber schafft"; und schließlich die offene Teamleiterstelle hier in Japan die ich bekam, weil ich fast ein Jahr den Kontakt zum lokalen CIO gepflegt hatte.

7. Gab es Umstände im Studienbetrieb, die Sie im Nachhinein für verbesserungswürdig halten?

Was mich immer am meisten gestört hat war, dass die Studieninhalte zwischen den einzelnen Professoren nicht abgestimmt waren und so potentielle Synergien nicht realisiert wurden. 

8. Welche Methoden haben Sie angewendet, um Prüfungsangst zu überwinden?

Ordentlich lernen und immer gut vorbereitet sein.  Nicht lernen am Tag vor der Prüfung. Prinzipiell: Gelernt wird während des Semesters, vor Prüfungen wird nur wiederholt!

9. Was verbindet Sie heute mit der Universität Leipzig?

Die Mails die ich ab und an von der Alumni-Koordinatorin, Frau Wätzel, bekomme. Wenn ich in Leipzig war, habe ich immer bei Frau Richter, meiner Japanologieprofessorin, vorbeigeschaut.

10. Was würden Sie den heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?

(i) Während des Studiums konzentriert man sich auf Studium (und auf nichts anderes).
(ii) Heute bin ich Mitglied von Lions Clubs International und ich ärgere mich, dass ich nicht schon während des Studiums angefangen habe, mich mehr sozial (oder vielleicht sogar politisch) zu engagieren.
(iii) Bewerben kostet nichts, keine Angst vor Absagen haben, wer nicht frägt wird auch nicht in Erwägung gezogen.
(iv) Frühzeitig mögliche Karrieren in Erfahrung bringen, es gibt die verrücktesten Jobs und Karrieremöglichkeiten! Wer denkt schon als Informatiker als erstes daran, bei einem Autobauer unterzukommen. Von Autos verstehe ich übrigens heute immer noch nichts!

Persönliche Angaben

  • Name: Alexander I. Kovács
  • Geburtsjahr: 1975
  • Studiengang: Diplom Informatik mit Nebenfach Japanologie
  • Jahr der Immatrikulation: 1996
  • Jahr der Exmatrikulation: 2003
  • Heutiger Arbeitgeber/Position: Mitsubishi Fuso Truck & Bus Corporation, Manager CIO Office Daimler Trucks Asia

(Interview Stand Juni 2013)

// Hinweis: Die Studienabschlüsse unserer Absolventinnen und Absolventen können von den heutigen abweichen. Mehr Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten findest du hier.